Samstag, 20. März 2021

Von der Leyen kritisiert Lieferausfälle von AstraZeneca scharf

Ursula von der Leyen hat das Lieferversagen von AstraZeneca erneut kritisiert und zieht die Möglichkeit in Betracht, einen geplanten Export in andere Länder zu verbieten.

Von der Leyen will AstraZeneca-Export notfalls zurückhalten.
Von der Leyen will AstraZeneca-Export notfalls zurückhalten. - Foto: © APA (AFP) / JOHN THYS
Die EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat erneut die Lieferausfälle beim Corona-Impfstoff von AstraZeneca kritisiert. Sie will auf dem nächsten EU-Gipfel Exportkontrollen beschlossen sehen: „Die Botschaft an das Unternehmen ist klar: Zuerst halten Sie Ihren Vertrag ein, bevor Sie exportieren“, sagte sie der „Presse“ und anderen europäischen Zeitungen.

„Drastisches Lieferversagen“

Das Lieferversagen von AstraZeneca sei „drastisch“. „Wir haben die Möglichkeit, einen geplanten Export zu verbieten“, sagte von der Leyen laut den Zeitungen der deutschen Funke Mediengruppe und verwies auf den Gipfel kommende Woche.

Die Kommissionspräsidentin warf dem britisch-schwedischen Unternehmen vor, im ersten Quartal nur 30 Prozent der vereinbarten Menge an die EU geliefert zu haben. Im Vertrag sei zudem klar geregelt, dass die EU Impfstoff aus Fabriken in der EU und in Großbritannien erhalte. „Von den Briten haben wir aber nichts bekommen, während wir ihnen Impfstoff liefern“, beklagte von der Leyen. Sie sprach von einem „förmlichen Mahnschreiben“, das die Kommission in dieser Sache an AstraZeneca geschickt habe.

Jeder Tag und jede Woche zählt“

Es gebe eine Reihe offener Punkte mit Blick auf den Liefervertrag, die jetzt geklärt werden müssten. Die Kommissionspräsidentin beklagte zudem in scharfem Ton ein insgesamt massives Ungleichgewicht zwischen den Lieferungen von europäischen Pharmafabriken an die EU einerseits und den Export in Drittländer andererseits.

„Wir brauchen dringend eine bessere Balance zwischen den Lieferungen an die Europäer und den Exporten: Jeder Tag und jede Woche zählt, an dem wir in Europa das Virus schneller stoppen und unsere Wirtschaft wieder öffnen können“, sagte sie. „Es geht um das Leben der Menschen, um ihre Existenz, ihre Gesundheit und auch darum, wie unsere Volkswirtschaft aus der Pandemie herausstartet.“

EU lädt zu Gesprächen ein


Die Hersteller in Europa hätten seit Anfang Februar mindestens 41 Millionen Impfdosen in 33 Länder exportiert, sagte von der Leyen. Sie fügte hinzu: „Ich kann europäischen Bürgern nicht erklären, warum wir Millionen Impfstoffdosen in Länder exportieren, die selbst Impfstoff produzieren - und von denen nichts zurück kommt. Und ich kann schwer Exporte erklären in Länder, die eine viel höhere Impfrate und deutlich weniger Infektionen haben als die EU.“

Europa sei in der Welt eine der Regionen, die am meisten exportierten, sagte die Kommissionspräsidentin. „Wir sind offen, aber das muss verhältnismäßig sein und auf Gegenseitigkeit beruhen.“ Die EU lade nun zu Gesprächen ein. „Was wir dagegen unternehmen können, werden die Regierungschefs im Rat diskutieren“, betont sie. „Den Unternehmen sagen wir: Je besser sie ihren Vertrag erfüllen und je schneller sie liefern, desto eher können wir Ausfuhren in alle Welt akzeptieren.“



apa/stol