Zum Thema sprachen der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, Langers Weggefährte Adriano Sofri, die Vizepräsidentin des deutschen Bundestags, Claudia Roth, Italiens Außenminister Paolo Gentiloni und der Parlamentarier und Langer-Biograf Florian Kronbichler."Was hat Alexander Langer uns für eine Schwäche hinterlassen, von der wir, wir politischen Verantwortungsträger zumal, lernen müssen?", so Kronbichler, der überzeugt sei, über etwas sehr aktuelles zu sprechen.Das Verhängnisvolle Wort: "alle""Wenn ich das Verhängnisvollste an Alexander Langer in ein Wort fassen müsste, es wäre das Wort ,alle'. Es zieht sich durch sein ganzes Leben, angefangen vom ersten geschriebenen Artikel und endend mit seinem Abschiedsbrief. Es geht ihm immer um ,alle'. Darin muss er uns eine Lehre sein: eine abschreckende", so Kornbichler. Florian Kronbichler sprach im Europa-Parlament zur Gedächtnisfeier „Alexander Langer – 20 years later. A visionary witness of our time." Den Leitartikel seiner ersten Schülerzeitung begann Alexander Langer, der damals 15-jährige Musterschüler eines Bozner Klostergymnasiums, wie folgt: "Wir möchten für alle da sein, wir wollen allen helfen, wir suchen Kontakt mit allen. Unsere Hilfe steht allen offen, unser Gebet gilt allen.“Langer habe den Anspruch sein ganzes Leben durchgehalten, sagt Kronbichler, der zum 10. Jahrestag des Todes von Alexander Langer eine kleine Biografie geschrieben hat.„Ich derpack es einfach nicht mehr“"Christophorus war seine Lieblingsheiligenfigur", so Kronbichler. Und: Wer die Darstellungen dieses Heiligen aus der Kunstgeschichte oder von der Außenfassade vieler unserer Kirchen kennt: ein christianisierter Herkules, eine Naturgewalt von Mensch. Und wer Alexander Langer kannte: schmächtig, asthmatisch, bestimmt kein Kerl. Wer diese beiden vergleicht, den Heiligen und seinen Verehrer, der kann Langers anderen letzten Satz gut verstehen: ,Ich derpack es einfach nicht mehr'". Die Bemessung und somit die Eingrenzung mitmenschlicher Hilfsbereitschaft müsse ihm unerträglich erschienen sein, sagt Kronbichler und verweist auf die Parallelen und Herausforderungen der heutigen Zeit.Weniger vollkommen seinDie Versuchung zur Selbstüberforderung, das Auseinanderklaffen von Anspruch und Möglichkeit, sei heute größer denn je, gerade im Politikbetrieb, will Kronbichler wachrütteln."Ich bemängle an Langer-Rezeptionen, dass bei aller verdienten Würdigung seiner Leistungen auffällig oft das Ende, das Scheitern, ausgeblendet bleibt. Manche fanden solche Kritik pietätlos. Ich finde, von Langer lernen, heißt auch, weniger vollkommen sein zu wollen als er", so der Abgeordnete. An der Tagung nahm neben vielen Europa-Parlamentariern und Langer-Freunden aus ganz Europa auch Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher teil.stol