Einige politische Führungspersönlichkeiten seien über die Haftbefehle unglücklich gewesen. „Sie wollten einen Deal mit Gaddafi machen, aber nachdem er angeklagt war, haben sie gesehen, dass das nicht geht. Denn Gaddafi an der Macht zu halten hätte bedeutet, ihn weiter Verbrechen verüben zu lassen.“ Die Vollstreckung der Haftbefehle falle nun in die Zuständigkeit der Nationalstaaten.Auf die Frage, ob er damit rechne, dass Gaddafi tatsächlich an den Strafgerichtshof übergeben werde, verwies Moreno Ocampo auf das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im einstigen Jugoslawien (ICTY): „Die haben 161 Anklagen erhoben, und manche Leute waren 15, 16 Jahre lang auf der Flucht. Jetzt gibt es null Flüchtige. Die 161 Haftbefehle wurden also umgesetzt – es ist eine Frage der Zeit.“ Priorität für den IStGH sei es gewesen, Verbrechen zu stoppen und Zivilisten zu schützen.Zu Syrien wollte sich Moreno Ocampo nicht äußern: „Ich wende das Gesetz an, und das Gesetz sagt, ich habe derzeit keine Zuständigkeit in Syrien. Also habe ich nichts zu sagen.“Die „größte Leistung“ in den vergangenen acht Jahren war laut Moreno Ocampo, den Strafgerichtshof in eine „normale Institution“ zu verwandeln – der freilich viele Staaten der Welt, darunter die ständigen Sicherheitsratsmitglieder USA, Russland und China, noch immer nicht angehören. Dass die Vereinigten Staaten in nächster Zeit doch Vertragsstaat werden, erwartet Moreno Ocampo nicht. „Vielleicht ist in 40 Jahren die ganze Welt Teil davon.“Für seine Tätigkeit als Chefankläger des „Weltstrafgerichts“, die er seit 2003 ausführt, waren laut Moreno Ocampo seine Erfahrungen als Vizestaatsanwalt beim Prozess gegen die Chefs der argentinischen Militärjunta in den 80er Jahren von großer Bedeutung. Was er zunächst als seine wichtigste Arbeit betrachtet habe, sei schließlich nur eine Art Training gewesen, bei dem er unter anderem gelernt habe, Gräueltaten zu untersuchen, aber auch, Leuten zu vermitteln, was er tat.Zu seinem Vorgesetzten habe er damals gesagt: „Wir müssen diesen Fall vor Gericht gewinnen, aber meine Mutter, die gegen mich ist, sollte auch überzeugt sein. Mein Großvater war General, und meine Mutter liebte Generäle“, erzählte Moreno Ocampo. Der Prozess mit den Zeugenaussagen habe bei ihr dann zu einem gewissen Umdenken geführt. „Dann hat sie mich angerufen und gesagt: Ich liebe General (Jorge) Videla noch immer, aber du hast Recht, er gehört ins Gefängnis.“apa