Freitag, 10. September 2021

Vorstellung: Virgl-Projekt geht in die Vollen

Die Ideatoren des Projektes „VivaVirgolo“ haben am Donnerstag ihr Projekt beim zuständigen Landesamt abgegeben und hoffen nun auf Gehör beim Land. Dafür haben sie ihr Angebot nun um ein weiteres Zuckerle erweitert: ein neues Auditorium.

Der Virgl soll im Sommer 2026 bereits ein enormes Kulturzentrum beherbergen, wenn es nach (im Bild von links) Heinz Peter Hager, Präsident Signa Italia, und Uni-Professor Enrico Nigris geht, die das Projekt am Donnerstag im Pastoralzentrum in Bozen vorstellten.
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Der Virgl soll im Sommer 2026 bereits ein enormes Kulturzentrum beherbergen, wenn es nach (im Bild von links) Heinz Peter Hager, Präsident Signa Italia, und Uni-Professor Enrico Nigris geht, die das Projekt am Donnerstag im Pastoralzentrum in Bozen vorstellten. - Foto: © succus
Die Macher rund um Heinz Peter Hager, Präsident der Signa Italia, gaben sich bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Übergabe des Projektes siegessicher: „Darüber, was passiert, wenn das Land das Projekt ablehnt, machen wir uns keine Gedanken. Das wird nicht passieren“, sagte Hager. Dass bei der von der Landesverwaltung in Auftrag gegebenen Sinloc-Studie das Virgl-Projekt nur auf dem vierten Platz landete, scheint ihn nicht zu beeindrucken.

Die Argumente, die sie vorbringen, sind in der Tat beeindruckend und ebenso untermalt von ausdrucksstarken Bildern: Renderings der Seilbahn und der „Kulturmeile“ im Grünen mit Museen, Aussichtsplattformen, See, Gastronomie und Kinderspielplatz versprechen eine Aufwertung des derzeit ein Schattendasein führenden Virgls und eine schnell erreichbare Erholungszone: „In 5 Minuten erreicht man die Talstation von Waltherplatz und Bahnhof und in 72 Sekunden Seilbahnfahrt ist man auf dem Virgl“, stellt Hager in Aussicht. 2400 Parkplätze in der Nähe und die direkte Anbindung an das Radwegenetz seien zudem eine gute Voraussetzung für die Erreichbarkeit.

Auch Konzerthaus auf den Virgl verlegen

Neu präsentiert wurde gestern ein weiteres Element im Kulturreigen: Zum Ötzi-Museum und zum Naturmuseum gesellt sich im aktuellen Entwurf ein neues Auditorium. Es soll eine größere Bühne haben als das bestehende in der Dantestraße und somit auch größeren Orchestern Platz bieten, informiert Hager.

Hager: „Ohne Ötzi bauen wir das Projekt nicht“

„Ein neues Wahrzeichen, das in der Stadt und über die Stadt hinaus“ von sich reden machen soll und mehr Gäste anlocken soll, will die Signa hier schaffen. Dass das alles nur möglich ist mit Ötzi, ist in Stein gemeißelt: „Ohne den Ötzi wird nicht gebaut“, erklärt Hager. Das Archälogiemuseum mit der Gletschermumie sei nach wie vor primärer Anziehungspunkt von „VivaVirgolo“.

Um das PPP-Projekt auch auf wissenschaftlich fundierte Füße zu stellen, hat sich die SIGNA Enrico Nigris geholt, Universitäts-Professor aus Rom und Experte für Projekte, die von der öffentlichen Hand gemeinsam mit Privaten realisiert werden. Er erklärte: „Es braucht den Willen aller, der öffentlichen Institutionen, der Bürger, von privaten Unternehmen, ohne das geht es nicht.“ Dabei bleiben die Strukturen öffentliches Eigentum.

Hagers Antwort auf Sorgen der Kaufleute

Die Sorgen der Bozner Kaufleute im Zentrum, dass der Ötzi auf dem Virgl das Zentrum für Touristen unattraktiv machen könnte, lässt Nigris nicht gelten. Laut einer Umfrage unter Besuchern des Archäologiemuseums hätten 89 Prozent geantwortet, sie würden die Stadt auch besuchen, wenn der Ötzi am Virgl sei. Nigris sprach von einer Kulturmeile quer durch die Stadt, von der der Virgl ein Teil sei und zeigte Beispiele solcher Meilen etwa in Hamburg oder Edinburgh. Eine Benchmark-Analyse des Unternehmens habe zudem die Mitbewerberstandorte Ex-ENEL und Ex-INA-Gebäude deklassiert.

Land: Noch ist lange nichts entschieden

Die Zeiten, die sich das Team von Signa vorstellt, sind ehrgeizig: Die Prüfung des Projektes sei in 6 bis 9 Monaten machbar, bis zur Realisierung mit einer Bauzeit von etwa 3,5 Jahren rechnet Hager mit einer Eröffnung im Sommer 2026.

Aus dem Büro des Landeshauptmanns hieß es dazu am Donnerstag nur, dass das Projekt nun überprüft werden werde. Allein das dürfte schon einige Zeit in Anspruch nehmen, immerhin sind die Akten und Ordner fast 3000 Seiten stark. Ein langer Weg liegt aber auch politisch noch vor weiteren Entscheidungen und eventuellen weiteren Vorschlägen.

Das vorgestellte Projekt in Zahlen

170 Millionen Euro will die Signa am Virgl investieren: 130 Millionen für kulturelle Infrastrukturen, 40 Millionen für Seilbahn und Gastronomie. „Ohne Gelder aus dem Landes- oder Gemeindehaushalt“, sagt Hager.

Für 50 Jahre möchte Signa dabei die Konzession für die Betreibertätigkeit, wobei Ticketpreisgestaltung und -einnahmen der Provinz obliegen. Dabei soll sich das Projekt bis Ende des Zeitraums selbst finanziert haben.

Mit mehr als 50 Millionen Euro Umwegrendite rechnet Hager für das Projekt. 200 Arbeitsplätze sollen hier geschaffen werden. Der neu gestaltete Virgl könnte im Sommer 2026 eröffnet werden, nach 40 Monaten Bauzeit.

Gegen den Vorschlag, den Ötzi auf den Virgl zu verlegen, regt sich in Bozen Widerstand. Im Video: Georg Ulrich Großmann, 25 Jahre lang Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, bezeichnet ihn gar als „Schnapsidee“.

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