Untersuchungsrichter Piergiorgio Morosini muss entscheiden, ob ein Prozess gegen zwölf Angeklagte, darunter hochrangige Politiker und Bosse der Mafia beginnen soll, wie es die Staatsanwälte Palermos fordern.Auf der Angeklagtenbank sitzen unter anderem die langjährige Spitzenbosse der Mafia Salvatore Riina, Bernardo Provenzano, sowie die Mafiosi Leoluca Bagarella und Giovanni Brusca, der prominente Carabinieri-Hauptmann Giuseppe Donno und mehrere bekannte Politiker.Ex-Innenminister Mancino sitzt auf der Anklagebank Auch der ehemalige Innenminister und frühere Senatspräsident Nicola Mancino muss sich vor Gericht verantworten. Ihm wird Falschaussage vorgeworfen.Weitere Angeklagten sind der Senator Marcello Dell'Utri, Vertrauensmann von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, und Ex-Telekommunikationsminister Calogero Mannino. Ihnen wird Anschlag auf politische Institutionen des Staates vorgeworfen.Vertagt: auf 15. November Die Vorverhandlung wurde kurz nach der Eröffnung auf den 15. November vertagt.Mannino soll Verhandlungen mit der Cosa Nostra über einen „Waffenstillstand“ in die Wege geleitet haben.Diese Verhandlungen seien nach den Anschlägen auf die Mafia-Jäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino 1992 gestartet worden, behaupten die Ermittler.Mannino selber habe um sein Leben gebangt und daher den Dialog mit der Cosa Nostra gesucht, lautet der Verdacht der Staatsanwälte. Später habe die Cosa Nostra Kontakte zu Dell'Utri, einem engen Mitarbeiter Berlusconis, gepflegt.Wegen Mafia-Verstrickungen und Verleumdung muss sich auch Massimo Ciancimino, Sohn des langjährigen Bürgermeisters von Palermo Vito Ciancimino, verantworten.Ciancimino, der wegen Geldwäsche bereits zu drei Jahren Haft verurteilt worden war, ist ein Schlüsselzeuge in mehreren Mafia-Untersuchungen. Als ausschlaggebend gelten seine Zeugnisse über mögliche Verstrickungen zwischen der Cosa Nostra und dem Staat in den 90er Jahren.Laut Massimo Ciancimino hatte die Cosa Nostra Anfang der 90er Jahre eine Reihe von Forderungen an den Staat gestellt, unter anderem die Abschaffung der für Mafiosi erschwerten Haftbedingungen.Dafür wollte die Mafia keine weiteren Anschläge wie jene verüben, die 1992 zum Tod der Anti-Mafia-Jäger Falcone und Borsellino geführt hatten. Die Glaubwürdigkeit Cianciminos ist höchst umstritten.apa/dpa