Montag, 03. Mai 2021

Zensurversuch: Fedez erhebt Vorwürfe gegen die Rai

Der Mailänder Rapper Fedez hat beim traditionellen Konzert des 1. Mai in Rom einen politischen Sturm ausgelöst. Der 31-Jährige beschuldigte die Rai, die das Event live übertrug, Druck auf ihn ausgeübt zu haben, damit er bei seinem Auftritt das Thema Homophobie-Gesetz nicht anspreche.

Rapper Fedez setzt sich für den Gesetzentwurf ein. - Foto: © ANSA / ETTORE FERRARI / FRR
Fedez, der sich seit Monaten für die Verabschiedung des Gesetzesprojekts einsetzt, veröffentlichte ein Video mit einem Telefongespräch mit einem hochrangigen Rai-Funktionär, der ihn wiederholt aufforderte, nicht über das Gesetz zu sprechen, was der Rapper jedoch trotzdem tat.

„Ich bitte Sie, sich einem System anzupassen, das Sie wahrscheinlich nicht verstehen“, hört man den Rai-Funktionär im Video sagen. Trotz des Appells attackierte Fedez von der Bühne aus die Lega, die er der Obstruktion im Senat beschuldigt, um die Verabschiedung des umstrittenen Gesetzentwurfs Zan zu verhindern. „Ich bin ein Künstler und will meine Meinung frei äußern können“, sagte der Rapper, der mit der 5-Sterne-Bewegung sympathisiert.

Anders sieht die Lage Lega-Chef Matteo Salvini. Das Konzert, dessen Übertragung über 500.000 Euro gekostet und von allen italienischen Steuerzahlern bezahlt worden sei, dürfe nicht zu Zwecken der linken Propaganda genutzt werden, sagte Salvini. Solidarisch mit Fedez erklärte sich PD-Chef Enrico Letta.

Der Gesetzentwurf, verfasst vom PD-Parlamentarier Alessandro Zan, sieht hohe Geldstrafen für Diskriminierung wegen sexueller Orientierung vor.

Drohungen, Angriffe oder Mobbing können mit bis zu 4 Jahren Haft geahndet werden. Dasselbe gilt für Hassreden gegen Menschen wegen deren „Geschlecht, sexueller Orientierung oder sexueller Identifizierung“. In der Abgeordnetenkammer wurde der Entwurf bereits im November angenommen.

Die aktuelle Gesetzgebung würde bereits Strafen vorsehen, wenn sich jemand Homo- und Transsexuellen gegenüber diskriminierend äußere, kritisierte die Lega. Daher sei ein weiteres Gesetz nicht notwendig.

Nachdem das von Fedez aufgezeichnete Video am Sonntag hohe Wellen geschlagen hatte, schaltete sich Rai-Geschäftsführer Fabrizio Salini ein, um die Wogen zu glätten. „In der Rai gibt es sicher und es darf es kein System geben. Sollte jemand auf unpassende Art dieses Wort für die Rai und im Namen der Rai benutzt haben, entschuldige ich mich“, erklärte Salini. Man werde die Angelegenheit untersuchen.

apa