Dass das Schicksal der „Waldfamilie“ aus den Abruzzen auch die Politik beschäftigt ist keine Neuigkeit. Doch jetzt befasst sich auch das Parlament in Rom mit dem Fall der anglo-amerikanischen Eltern, denen wegen ihres ausgeprägten ökologischen Lebensstil das Fürsorgerecht für ihre drei Kinder ausgesetzt wurde. Das Elternpaar, Nathan Trevallion und Catherin Birmingham, wird am Mittwoch im Senat empfangen. Eingeladen wurde es von Senatspräsident Ignazio La Russa. Das Paar, das seit Monaten wegen des Sorgerechtsstreits um seine Kinder in den Schlagzeilen steht, habe die Einladung angenommen, berichtete La Russa.<h3>Scharfe Kritik der Opposition</h3>Scharfe Kritik kam von der Opposition. Der Senator der Demokratischen Partei, Walter Verini, warf La Russa vor, sein Amt parteiisch zu nutzen. Es sei respektlos gegenüber den Institutionen, einen so sensiblen Fall politisch auszuschlachten.<BR /><BR />Verini sagte dem Sender Radio Popolare, die Angelegenheit dürfe nicht für politische Zwecke im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Justizreferendum instrumentalisiert werden. La Russa wird beschuldigt, mit Kritik an den Jugendrichtern, die das Fürsorgerecht für die Eltern ausgesetzt haben, für ein „Ja“ beim Referendum für die Justizreform zu werben.<BR /><BR />Unterdessen bereiten die Anwälte der Familie eine Beschwerde gegen die Entscheidung vor, die Mutter von einer betreuten Einrichtung in der Stadt Vasto fernzuhalten. Die Verteidiger wollen sich dabei auch auf einen Bericht von Fachleuten der lokalen Gesundheitsbehörde berufen, der eine Wiedervereinigung der drei Kinder mit ihren Eltern empfiehlt.<h3> Wechsel an Spitze des Jugendgerichts</h3>Am Jugendgericht in L'Aquila steht zudem ein Personalwechsel an: Die Gerichtspräsidentin Cecilia Angrisano, die den ursprünglichen Beschluss unterzeichnet hatte, geht in den kommenden Tagen in den Ruhestand. Die Familie hofft auf eine positive Wende in ihrem Fall mit einem „weicheren“ Präsidenten des Jugendgerichts. <BR /><BR />Die Richterin steht seit November wegen der Aussetzung des Sorgerechts der Ehepartner Trevallion-Birmingham im Kreuzfeuer der Kritik.Seit November leben die drei Kinder - ein neunjähriges Mädchen und siebenjährige Zwillinge - in einer betreuten Wohneinrichtung in Vasto. Die Minderjährigen sollen dort zunächst für eine Beobachtungsphase bleiben. <BR /><BR />Das Jugendgericht von L'Aquila entschied zuletzt, dass die Mutter das betreute Wohnheim verlassen muss, in dem sie bisher untergebracht war. Das Gericht begründete die Entscheidung mit Problemen bei der Einhaltung interner Regeln und organisatorischer Vorgaben der Einrichtung. Zudem habe es immer wieder Spannungen zwischen Mitarbeitern des Wohnheims und der Mutter gegeben. Kritisch gesehen würden insbesondere ihre ausgeprägten umweltbezogenen Überzeugungen. Die Mutter musste inzwischen das Wohnheim verlassen, was erneut für heftige Diskussionen sorgte.