Samstag, 20. Mai 2017

Walter Blaas rechnet mit alter Führung ab

„Veronika, der Lenz ist da“ - mit diesem musikalischen Stück wurde der 9. Parteitag der Freiheitlichen in Sterzing eröffnet. Ob der Lenz auch für die Freiheitlichen da ist, wird sich zeigen. Seit dem Rentenskandal konnte Südtirols größte Oppositionspartei bislang nämlich nicht wieder zu alter Stärke zurückfinden. Das soll sich nun ändern, geht es nach Walter Blaas.

Noch-Obmann Walter Blaas hat in seiner Abschiedsrede auf dem Landesparteitag der Freiheitlichen mit der alten Führung abgerechnet. - Foto: DLife
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Noch-Obmann Walter Blaas hat in seiner Abschiedsrede auf dem Landesparteitag der Freiheitlichen mit der alten Führung abgerechnet. - Foto: DLife

Rund 250 Freiheitlichen-Mitglieder haben sich im Stadttheater in Sterzing eingefunden, um dem spannenden Duell rund um die Wahl des Obmanns beizuwohnen. Diese ist nämlich zukunftsweisend für die Blauen: Je nachdem wer Obmann wird, wird damit wohl auch die künftige Ausrichtung der Freiheitlichen entschieden. Während Arno Mall als gemäßigt gilt, soll Andreas Leiter-Reber volkstumspolitisch eher eine harte Linie verfolgen.

„Beim Parteitag vor 3 Jahren war das Bild ein völlig anderes“, sagte Walter Blaas zu Beginn seiner Rede. „Es glich einer Trauergemeinde.“ Der heutige Tag aber sei ein guter Tag. „Die Freiheitliche Partei ist so sexy und attraktiv wie schon lange nicht mehr.“ 

„Der Scherbenhaufen war riesengroß“ 

Dann blickte Blaas auf seine 3-jährige Obmannschaft zurück: Die Freiheitlichen hätten es vor einigen Jahren geschafft, den Absolutismus der SVP in Südtirol zu brechen. Dann, im Jahr 2014, seien aber schwierige Jahr ins Land gezogen. „Die Penisring-Affäre hat uns unglaubwürdig gemacht“, so Blaas. Die alte Parteispitze um Ulli Mair trat zurück und Walter Blaas wurde zum neuen Freiheitlichen-Obmann gewählt.

„Es brauchte viel Geduld und Stärke“, sagte er rückblickend, bevor er mit der alten Freiheitlichen-Führung abrechnete: „Wir haben versucht zu kitten, was zu kitten war“, so Blaas. Aber: Mit den alten Slogans wie „Macht braucht Kontrolle“ sei nichts mehr zu holen gewesen. „Der angerichtete Scherbenhaufen war riesengroß.“ So habe Blaas versucht, Ruhe in die Partei zu bringen, was ihm seiner Meinung nach auch gelungen sei. „Auch die Finanzen wurden saniert“, so Blaas.

Seinem Nachfolger als Freiheitlichen-Obmann wünschte Blaas viel Glück: „Der neue Obmann braucht Kraft, Einfühlungsvermögen und unsere Unterstützung.“ Daher der Appell von Blaas an die Mitglieder: „Halten wir zusammen und lassen uns nicht von unseren politischen Gegnern auseinanderdividieren.“

Apropos politischer Gegner: Fehlen durfte in der Rede von Blaas nicht ein Seitenhieb auf die SVP und die Landesregierung: „Herr Kompatscher, lassen Sie endlich die Schönwetter-Reden, reden Sie Klartext und gehen Sie endlich jene Themen an, die die Südtiroler wirklich beschäftigen.“ 

sor

stol