<b>Herr Bürgermeister, Sie werden bei den kommenden Gemeinderatswahlen nicht mehr antreten. Wie geht es Ihnen mit dieser Entscheidung?</b><BR />Walter Huber: Gut. Nach 35 Jahren Gemeindepolitik ist es Zeit für einen Wechsel. Ich habe meinen Entschluss bereits im Herbst gefasst und ihn auch mitgeteilt.<BR /><BR /><b>Die 35 Jahre waren Sie aber nicht zur Gänze in der Gemeinde Vintl tätig?</b><BR />Huber: Ich stamme ja aus Onach und war von 1980 bis 1985 Gemeinderat in St. Lorenzen. In Vintl war ich dann von 1995 bis 2000 im Gemeinderat, von 2000 bis 2010 Gemeindereferent und ab 2010 Bürgermeister.<BR /><BR /><b>Wie kamen Sie von Onach nach Vintl?</b><BR />Huber: In der Vintler Mittelschule brauchte es einen Mathematiklehrer. Ich habe die Stelle angenommen – und bin hiergeblieben. 42 Jahre lang habe ich an der Schule Mathematik und Naturwissenschaften unterrichtet.<BR /><BR /><b>Sie haben in Vintl auch Ihre Frau kennengelernt?</b><BR />Huber: Das stimmt – und wir leben mittlerweile schon seit dem Jahr 1984 in Obervintl.<h3> Schöne und weniger schöne Momente</h3><b>Wenn Sie auf ihre 15 Bürgermeisterjahre zurückblicken, kommen Ihnen sicher zahlreiche schöne und weniger schöne Momente in den Sinn.</b><BR />Huber: Ein sehr schwieriger Moment war der Brandanschlag beim Fischerhaus, wo die ersten Flüchtlinge in Vintl untergebracht waren. Dann war da natürlich die Coronazeit und schließlich das Unwetter im August 2020 mit großen Schäden in Obervintl. Das war für mich als Bürgermeister eine besonders große Herausforderung, weil ich zum einen die vielen Aufgaben, die mein Amt mit sich bringt, bewältigen musste und zum anderen auch selbst bei der Behebung der Schäden am eigenen Haus gefordert war.<BR /><BR /><b>Auch Konflikte haben Sie belastet …</b><BR />Huber: Es geht hier nicht um Konflikte innerhalb der Gemeindeverwaltung. Ich hatte das Glück, immer einen tüchtigen Gemeindeausschuss zu haben, der hinter mir gestanden ist und wo es stets eine gute Zusammenarbeit gegeben hat. Zudem haben wir in den Gemeindeämtern viele fleißige, kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Verantwortung übernehmen und ihren Dienst zum Wohle der Gemeinde und somit für die gesamte Bevölkerung erfüllen.<h3> Streitereien zwischen Nachbarn</h3><b>Welche Konflikte meinen Sie dann?</b><BR />Huber: Es geht hier vor allem um Streitereien zwischen Nachbarn, etwa bei Bauangelegenheiten, wo auch die Gemeindeverwaltung eingebunden war. Ich meine, man könnte sich viel Geld, Ärger und Belastung ersparen, wenn man Meinungsverschiedenheiten gütlich ausdiskutieren und konstruktiv nach Lösungen suchen könnte.<BR /><BR /><b>Und die schönen Momente?</b><BR />Huber: Da fallen mir vor allem die vielen tollen Begegnungen und guten Gespräche mit den Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein. Sie waren für mich stets bereichernd. Ich danke auch für den regen Austausch und die schönen Erlebnisse mit den vielen Ehrenamtlichen in den Vereinen. Sie haben mir immer wieder gezeigt, wie lebendig und wertvoll ihre Arbeit für das Dorf ist und wie reich sie unsere Gemeinschaft machen. Ich habe großen Respekt für diese geleistete Arbeit, sie ist unbezahlbar.<BR /><BR /><b>Ein besonderes Lob haben Sie stets für die vier Feuerwehren der Gemeinde Vintl übrig.</b><BR />Huber: Unseren Wehrleuten und allen Mitgliedern in den Zivilschutzorganisationen gilt großer Dank. Es ist beruhigend zu wissen, dass Menschen da sind, um anderen in Notlagen zu helfen. Daher war es mir und dem gesamten Gemeinderat auch stets ein Anliegen, die Wehren zeitgemäß und gut auszurüsten.<BR /><BR /><b>Was fällt Ihnen noch an schönen Momenten ein?</b><BR />Huber: Ein besonderer Moment war für mich die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Lorenz Niedermair, der so viel für Vintl und darüber hinaus getan hat. Beeindruckt haben mich auch die Besuche bei älteren Menschen anlässlich ihres 90. Geburtstages. Vor allem ihre Zufriedenheit, die heute mehr und mehr verloren geht, und ihre Geduld, körperliche Gebrechen zu ertragen, haben mich stets bewegt. Und dann waren da noch die Hochzeiten: In den 15 Jahren durfte ich 122 Brautpaare trauen. Es war mir zudem wichtig, die Verstorbenen, soweit es mir möglich war, auf ihrem letzten Weg zum Friedhof zu begleiten.<h3> Verwirklichung von Vorhaben</h3><b>In Ihren 15 Bürgermeisterjahren konnten auch zahlreiche Vorhaben verwirklicht werden.</b><BR />Huber: Ja, es ist wirklich viel zusammengekommen. Wir haben Infrastrukturen gebaut und erneuert, Wege, Straßen und Hofzufahrten hergerichtet, Wohnbauzonen ausgewiesen, öffentliche Gebäude saniert und ausgebaut, Naherholungszonen geschaffen, die öffentliche Beleuchtung umgerüstet und vieles mehr getan. Besonders freut mich, dass es trotz vieler Hürden gelungen ist, das E-Werk und die Galerie beim Duner Gang zu errichten. Die Vorarbeiten hatten ja Jahrzehnte gedauert.<BR /><BR /><b>Wichtiger als möglichst viel zu bauen, war Ihnen aber etwas Anderes …</b><BR />Huber: Es ging mir stets darum, auf Rahmenbedingungen Wert zu legen, dass unsere Ortschaften lebenswert bleiben bzw. werden. Dazu gehört natürlich auch, das eine oder andere zu bauen. Heute haben wir in allen vier Fraktionen tolle Bildungseinrichtungen, wir haben Naherholungszonen, Spielplätze und Sportanlagen, Spazier-, Wander- und Themenwege in der Natur, wir haben gute soziale Einrichtungen und Dienste, eine Sommerbetreuung für Kinder und viele Angebote in den Vereinen. Vintl ist somit attraktiv und kann der Bevölkerung einiges bieten.<BR /><BR /><b>Und wie geht es jetzt bei Ihnen weiter?</b><BR />Huber: Es wird mir ganz sicher nicht fad werden. Ich bin tief in den Vereinen verwurzelt, und dann möchte ich mehr wandern und Rad fahren, auch im Wald werde ich arbeiten – und natürlich werde ich endlich mehr Zeit für die Familie und die Enkelen haben. Bürgermeister zu sein, ist schließlich kein Acht-Stunden-Job. Man ist mit den Gedanken immer irgendwie in der Gemeinde. Jetzt diese Verantwortung ablegen zu können, empfinde ich schon auch als eine Entlastung. Aber insgesamt habe ich die politische Arbeit als eine sehr große Bereicherung in meinem Leben erfahren. Ich möchte sie keinesfalls missen.<BR /><BR />Interview: Karl Tschurtschenthaler<BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/suche/Abschieds-Interview" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier lesen Sie weitere Abschieds-Interviews mit den scheidenden Bürgermeistern.</a>