Und in Deutschland? Kein Wort darüber, lediglich von Spannungsspitzen wird gesprochen. Der Vorfall ist zwar Wochen her, doch die jetzt vorgelegten Erklärungen lassen aufhorchen. <b>von Franz Niedermaier</b><BR /><BR />So zeigen etwa die veröffentlichten Gespräche der Techniker während des iberischen Blackouts: Die kaum steuerbare Photovoltaik hat das Stromnetz an seine Belastungsgrenze gebracht. Die Erklärungen der deutschen Staatssender gleichen einem Ausweichmanöver. Kein Wort zu den Erneuerbaren, kein Hinweis auf die Risiken. Der Elefant im Raum trägt ein grünes Mäntelchen und heißt Energiewende.<BR /><BR />Auch in Turin hat erst am Wochenende das Stromnetz kapitulieren müssen. Massive Schäden waren die Folge. Auch hier wird klar: Die dezentrale Einspeisung erneuerbarer Energien – Windstrom aus dem Norden, Solarstrom aus dem Süden – bedeutet, dass riesige Strommengen über immer längere Strecken transportiert werden müssen. Die Netze sind nicht dafür ausgelegt. Sie ächzen, die Ausfallrisiken steigen. Die Steuerung des Systems wird zur Quadratur des Kreises: Immer mehr Produzenten, immer mehr Verbraucher, E-Autos, Wärmepumpen, alles will Strom – und zwar sofort. Kein Wunder also, dass die Eingriffe in die Netzinfrastruktur sich vervielfacht haben - ein Beleg dafür, wie die Risiken gestiegen sind. Und jeder dieser Eingriffe bedeutet einen potentiellen Blackout.<BR /><BR />Doch damit nicht genug: Den Erneuerbaren fehlt die für ein stabiles Netz notwendige Schwungmasse, die herkömmliche Generatoren auszeichnet. Die Regelung und Stabilisierung des Stromsystems wird mehr und mehr zum Tanz auf dem Hochseil – ohne Netz und doppelten Boden.<BR /><BR />Doch nicht allein die Versorgungssicherheit wird immer problematischer, auch in wirtschaftlicher Hinsicht geht die Rechnung im wahrsten Sinne des Wortes nicht auf und die Strompreise galoppieren davon.<h3>Strommüll, made in Germany</h3>Ein Blick auf den Strombedarf vom vergangenen Montag zeigt das ganze Drama exemplarisch: Mittags werden deutschlandweit 70 Gigawatt (GW) gebraucht. Die konventionellen Kraftwerke liefern 12 GW, Windräder 13 GW, Photovoltaik stolze 41 GW. Abends, wenn die Sonne weg ist, sinkt die PV-Leistung auf nicht einmal mickrige 3 GW, Wind liefert 8 GW, und die konventionellen Kraftwerke müssen plötzlich 27 GW stemmen. Der Rest? Wird teuer importiert – für satte 186 Euro pro Megawattstunde. Zum Vergleich: Normal wären 60 Euro. Tagsüber hingegen wird der Strom verschenkt oder sogar noch mit Geld „entsorgt“, weil niemand ihn haben will und eine brauchbare Speichertechnik nicht existiert. Das Ergebnis: Strommüll, made in Germany.<BR /><BR />Ob sich ein einst stolzes Industrieland wie Deutschland solche Fehlsteuerungen noch lange leisten kann, darf getrost bezweifelt werden. Während die Politik die Energiewende als alternativlos feiert, wird das Thema Versorgungssicherheit konsequent totgeschwiegen. Lieber diskutiert man über Wärmepumpen und E-Autos als über die Frage, wie der Strom eigentlich zuverlässig erzeugt wird und ins Haus kommt.<BR /><BR />Die große Strom-Illusion namens Energiewende ist zur Glaubensfrage geworden. Kritik daran? Unerwünscht. Die Risiken? Werden verschwiegen. Die Kosten? Explodieren. Und während die Lichter in Spanien, Portugal oder Turin ausgehen, hält Deutschland tapfer die Augen zu. Hauptsache, der Strom ist grün – auch wenn er immer öfter ausfällt.