5 Gründe, warum die Ukraine den Invasoren bisher einigermaßen standhalten konnte.<BR /><BR /><BR /><b>1. Vorbereitung:</b> Seit 2014, als Russland die ukrainische Halbinsel Krim in einer Blitzoperation annektierte und pro-russische Separatisten Teile der Ostukraine überrannten, hat die Ukraine mit westlicher Hilfe ihre Streitkräfte deutlich aufgestockt. 2016 begannen die NATO und Kiew ein Ausbildungsprogramm für eine 2000 Mann stark ukrainische Spezialtruppe. „Die Ukrainer haben die vergangenen 8 Jahre damit verbracht, den Widerstand gegen eine russische Besatzung zu planen, sich auszubilden und auszurüsten“, sagt Douglas London von der Georgetown Universität. Da die Ukraine wisse, dass die USA und die NATO ihr auf dem Schlachtfeld nicht zu Hilfe kommen werden, konzentriere sich Kiews Strategie darauf, „Moskau bluten zu lassen, um eine Besetzung unmöglich zu machen“.<BR /><BR /><b>2. Ortskenntnis:</b> Russland hat offenbar den Heimvorteil der Ukrainer unterschätzt. Dazu gehören sowohl die Kenntnis des Geländes – zu einer Jahreszeit, in der sich die Wege in schlammige Trassen verwandeln können – als auch die Bereitschaft der Zivilbevölkerung, selbst zu den Waffen zu greifen. In einem solchen Szenario können schwächere Kräfte ihre Vorteile gegenüber stärkeren Gegnern maximieren – „Geländevorteile, lokale Kenntnisse und soziale Verbindungen“, nennt das Spencer Meredith, der als Professor am „College of International Security Affairs“ lehrt. Die Herausforderungen für den Angreifer werden demnach noch größer, wenn es zu Kämpfen in den Städten kommt – etwa in Kiew. „Das würde alles ändern“, heißt es aus französischen Militärkreisen. „Die Russen werden an jeder Straßenecke in Schwierigkeiten geraten, Gebäude für Gebäude.“<BR /><BR /><b>3. Solidarität:</b> Angeführt von Präsident Selenskyj, der weiter in Kiew ist, obwohl dort bei einem russischen Eindringen sein Leben auf dem Spiel steht, haben die Ukrainer ein Höchstmaß an Widerstandsfähigkeit an den Tag gelegt. Einfache Bürger haben sich freiwillig gemeldet, um an der Front zu kämpfen. Zivilisten bauen Molotow-Cocktails, Bauern schleppen erbeutetes russisches Militärgerät mit ihren Traktoren ab.<BR /><BR /><b>4. Strategische Fehler Moskaus:</b> Russland hat in den ersten Kriegstagen mehrere strategische Fehler begangen; u.a. wurden zu wenig Bodentruppen entsandt, und es wurde versäumt, die Streitkräfte zu Land und in der Luft gemeinsam operieren zu lassen. Moskau hatte wohl damit gerechnet, schnell zu siegen. „Am Anfang dachten sie, sie könnten sehr bald Einheiten in die Hauptstadt Kiew einschleusen“, sagt der Direktor des Russland-Studienprogramms am US-Center for Naval Analyses, Michael Kofman. „Aber sie haben sich schon sehr früh ein blaues Auge geholt.“<BR /><BR /><b>5. Psychologische Kriegsführung:</b> Die Moral der russischen Truppe wird durch die Toten auf eigener Seite, zu denen laut französischen Militärkreisen ein Generalmajor gehört, nicht gerade gestärkt. Ein Zeichen dafür sei u. a., dass sich die oberste militärische Elite gezwungen gesehen habe, die Soldaten an der Front zu besuchen. Tom Pepinsky von der „Brookings Institution“ findet, dass die sinkende Moral der Russen den Ukrainern in die Hände spielt. „Der ukrainische Widerstand wird am effektivsten sein, wenn die Russen nervös, schlaflos und anfällig für Überreaktionen sind.“ <BR /><BR />Alle Berichte zum Krieg in der Ukraine finden Sie, wenn Sie auf das große Titelbild auf der <a href="https://www.stol.it/tag/Krieg%20in%20der%20Ukraine" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">STOL-Startseite</a> klicken.<BR />