Samstag, 7. Mai 2022

Warum es für viele dunkler wird, wenn im Widum das Licht ausgeht

Wissen Sie, wer Ihr zuständiger Pfarrer ist? Wenn also ein Kind getauft, eine Ehe geschlossen oder ein Begräbnis zu organisieren ist: Wen rufen Sie da an? Vor 20 oder mehr Jahren wäre das keine Frage gewesen. Da hatte jedes Dorf seinen Pfarrer und im Widum ging jemand persönlich ans Telefon. Mittlerweile sorgt ein einziger Geistlicher für die Seelen von ganzen Tälern, statt Auto bräuchten einige Hirten mittlerweile den Helikopter. Ein Kommentar von „Dolomiten“-Chef vom Dienst Martin Lercher.

„Wir brauchen geistliche Menschen, die auf existenzielle Fragen wie Sinn des Lebens und Tod eine geistliche Hilfe anbieten können“, schreibt Martin Lercher. - Foto: © shutterstock

Ob deswegen morgen besonders viele um geistliche Berufe beten, wenn die Kirche ihren jährlichen Weltgebetstag begeht? Wohl kaum. Die Priesternot ist groß, aber sie tut immer weniger Leuten weh. Es geht irgendwie auch im Not- und Minimalbetrieb, und irgendwann ganz ohne – ein Gefühl, das die 2 Jahre in der Pandemie wahrscheinlich verstärkt haben.

Dass sich immer mehr „Schäfchen“ also selbst ihre seelischen Weideplätze suchen und dabei immer weiter vom Kirchengrundstück wegtrotten, ist verständlich. Weniger verständlich ist, dass diese dramatische Priesternot nicht endlich auch den Verantwortungsträgern in der Kirche so weh tut, dass sie das Problem angehen. Denn Beten ist gut und recht, aber der Ruf um himmlische Hilfe enthebt nicht von der Verpflichtung, alles Menschenmögliche in dieser Sache zu tun. Und da ist noch viel möglich, um den Priesterberuf – wie man heute so sagt – attraktiver zu machen.

Es geht nicht darum, wieder ganze Täler katholisch und die Leute dicht gedrängt in die Kirche zu kriegen. Aber wir brauchen geistliche Menschen!
Martin Lercher


Übers liebe Geld wäre zum Beispiel zu reden, denn die derzeitige Besoldung ist mehr schlecht als gerecht. Wegen der Moneten macht das sicher niemand, aber mehr finanziellen Freiraum sollten Priester haben – und wenn sie die übrigen Euros einem bedürftigen Menschen zustecken. Auch eine Entlastung von vielen bürokratischen Arbeiten samt Sitzungen und dem ganzen Schreibkram ist höchst fällig. Ja, und dann wären noch die Zugangsbedingungen mit jahrelangem Vollstudium der Theologie und Verzicht auf Ehe und Familie: Sind das nicht menschengemachte Hürden, die viele fähige Leute von diesem Berufsweg abhalten? Und ist beim Amt für Frauen tatsächlich das Amen im Gebet gesprochen?

Nein, es geht nicht darum, wieder ganze Täler katholisch und die Leute dicht gedrängt in die Kirche zu kriegen! Aber wir brauchen geistliche Menschen, die auf existenzielle Fragen wie Sinn des Lebens und Tod eine geistliche Hilfe anbieten können; die in der menschlichen Grundfrage „Gott oder gar nichts?“ glaubwürdig persönliche Antworten finden und vorleben; die den christlichen Schatz immer wieder von der Mure des Materiellen freischaufeln, die eine unverwüstliche Hoffnung ausstrahlen, gerade in Zeiten wie diesen.

Deutschlands Bischöfe haben kürzlich ein Grundsatzpapier veröffentlicht, das die Rückkehr zum Kerngeschäft der Kirche fordert – und das ist die schlichte und einfache Seelsorge. Bleibt zu wünschen, dass diese und andere Oberhirten nach dem Weltgebetstag von der Kniebank aufstehen und die Talarärmel hochkrempeln – für den Priesterberuf.

ler

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