So lächerlich es auch erscheinen mochte, das Bild von Trump, wie er hinter einem riesigen Vorstandstisch saß und seinen nachahmenswerten Slogan „Sie sind gefeuert“ ausrief, überzeugte Millionen amerikanischer Wähler, darunter viele, die zuvor nicht für ihn gestimmt hatten, dass er ein Mann war, der wusste, wie man Dinge regelt. <BR /><b>Eine Analyse von Reed Galen</b><BR /><BR />Dieser Eindruck, gepaart mit gutem Timing und viel Glück, ermöglichte es Trump, die politische Ikone Hillary Clinton in einem Rennen zu besiegen, das ihr auf den Leib geschneidert schien. Doch anders als Trump behauptet, war sein Sieg äußerst knapp. Er verlor 2,8 Millionen Stimmen, mehr als jeder andere US-Präsident in der Geschichte.<BR /><BR />Seither hat sich Trump an den Wahlurnen als giftig erwiesen. Bei den Zwischenwahlen 2018 schlugen die Demokraten Trumps Republikanische Partei vernichtend. Bei der Präsidentschaftswahl 2020 verlor Trump knapp im Wahlmännerkollegium und erdrutschartig in der Volksabstimmung. Bei den Zwischenwahlen 2022 wurden Trumps handverlesene Kandidaten im ganzen Land abgewählt, und demokratische Kandidaten behielten entweder ihre Sitze oder gewannen republikanische Sitze in wichtigen Bundesstaaten, darunter Arizona, Michigan, Pennsylvania und Wisconsin – oft mit großem Vorsprung.<h3> Vor einer verheerenden Niederlage</h3>Auch wenn diese Misserfolge bei den Republikanern für Unmut gesorgt haben, hat Trump den Parteiapparat, die Parteiführung und die extremsten Mitglieder fest im Griff. Dies ist ein Muster, das die GOP später in diesem Jahr bereuen wird, wenn sowohl Trump als auch die Republikanische Partei eine wahrscheinlich verheerende Wahlniederlage erleiden werden.<BR /><BR />Trumps unberechenbares Verhalten, seine antidemokratische Rhetorik und die Drohungen gegen seine Gegner werden bei den Präsidentschaftswahlen im November zu seiner Niederlage beitragen. Aber es ist die demografische Zusammensetzung Amerikas, die Trump schließlich in den endgültigen Ruhestand schicken wird. Die alte Weisheit des französischen Philosophen Auguste Comte „Demografie ist Schicksal“ könnte für den Ausgang dieser Wahl relevanter sein als für jede andere Präsidentschaftswahl zuvor.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004408_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Zwischen den Wahlen von 2016 und 2024 werden etwa 20 Millionen ältere Wähler gestorben sein, und etwa 32 Millionen jüngere Amerikaner werden das Wahlalter erreichen. Viele junge Wähler verachten beide Parteien, und die Republikaner rekrutieren aktiv (meist weiße Männer) an den Universitäten. Aber die Themen, die der Generation Z am Herzen liegen, wie reproduktive Rechte, Demokratie und Umwelt, werden die meisten von ihnen weiterhin die Demokraten wählen lassen.<BR /><BR />Tatsächlich ist die Republikanische Partei seit Trumps Eintritt in die US-Politik im Jahr 2016 älter, weißer, männlicher und extremer geworden. Sie ist auch kleiner geworden, und Trumps mangelnde Bereitschaft, seine Basis zu übergehen, macht es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, gemäßigte und unabhängige Wähler zu gewinnen.<h3> Auf der falschen Seite</h3>US-Präsident Joe Biden hat mehr Wähler zur Verfügung als Trump. Das bedeutet nicht, dass der Sieg leicht sein wird, aber es bedeutet, dass er mehr Wähler überleben kann, die zu Hause bleiben. Wenn Trump gewinnen will, wird er jeden einzelnen Wähler seiner Partei brauchen und er wird die Stimmen der noch unentschlossenen Amerikaner sammeln müssen, die schon lange nicht nur wegen seines persönlichen Verhaltens, sondern auch wegen seiner Politik sauer auf ihn sind.<BR /><BR />In allen wichtigen Fragen, mit denen das amerikanische Volk konfrontiert ist, steht die Republikanische Partei auf der falschen Seite. Zum Beispiel die reproduktiven Rechte. Der von den Republikanern dominierte Oberste Gerichtshof der USA hat 2022 entschieden, das Urteil Roe v. Wade aufzuheben, das ein halbes Jahrhundert lang das Recht auf Abtreibung garantiert hatte. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004411_image" /></div> <BR /><BR />Ultrakonservative Bundesstaaten haben Abtreibungen sogar in Fällen von Vergewaltigung oder Inzest verboten. Und der Oberste Gerichtshof von Alabama hat kürzlich ein Urteil gefällt, das eingefrorene Embryonen mit Kindern gleichsetzt. Diese Entwicklung hat Frauen und gemäßigte Wähler noch stärker in die Arme der Demokraten oder zumindest in das Lager der Unentschlossenen oder der „Alle-außer-Trump“-Wähler getrieben.<BR /><BR />In Fragen der nationalen Sicherheit hat sich Trump oft mit Amerikas traditionellen Gegnern verbündet und damit eine wichtige Wählergruppe verärgert, irritiert oder verwirrt. Viele ältere Republikaner tragen noch immer den Geist Ronald Reagans in ihren Herzen und sehen Amerika als „strahlende Stadt auf einem Hügel“, als Leuchtturm der Freiheit und Demokratie für Menschen auf der ganzen Welt. Für diejenigen, die sich noch an den Kalten Krieg erinnern, ist Russland durch und durch ein Feind Amerikas.<h3> Vorliebe für autoritäre Staaten</h3>Eben diese Republikaner halten den Einmarsch Russlands in die demokratische Ukraine weitgehend für inakzeptabel: Einer aktuellen Umfrage zufolge sind 43 % der Republikaner der Meinung, dass die Vereinigten Staaten der Ukraine entweder nicht genug oder ausreichend Hilfe zukommen lassen. Mit Trumps Drohungen, die NATO aufzugeben und sogar russische Aggressionen gegen Mitglieder zu befürworten, die ihren Verpflichtungen bei den Militärausgaben nicht nachkommen, sind sie sicher nicht einverstanden. Trumps Vorliebe für autoritäre Staaten von Russland über Ungarn bis Saudi-Arabien ist ihnen ein Gräuel.<BR /><BR />Bis zu dieser Woche hatten die Republikaner noch eine andere Option: Nikki Haley, eine ehemalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Haleys eskalierende Angriffe auf Trumps politische Bilanz scheinen Wirkung gezeigt zu haben. Bei den Vorwahlen in New Hampshire, Nevada und South Carolina erhielt sie rund 30 % der Stimmen. Doch Haley hat ihre Präsidentschaftskampagne nun beendet, nachdem sie die Vorwahlen am „Super Tuesday“ in 14 Staaten verloren hat.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004414_image" /></div> <BR /><BR />Bislang hat Haley es jedoch abgelehnt, Trump zu unterstützen, und erklärt, es sei an ihm, die Unterstützung ihrer Wähler zu gewinnen. Und es gibt gute Gründe, daran zu zweifeln, dass ihm das gelingen wird. Statt im November für Trump zu stimmen, werden viele von Haleys Anhängern entweder zu Hause bleiben oder für Biden stimmen. In Iowa sagten 49 % der Caucus-Teilnehmer, die sich als Haley-Wähler identifizierten, dass sie genau das tun würden.<BR /><BR />Trump hat die Wahl 2020 verloren und dann einen Aufstand angezettelt. Seitdem hat er weder seine Rhetorik noch sein Verhalten gemildert; im Gegenteil, er ist noch extremer geworden. Wenn dadurch die Wahlbeteiligung der Republikaner auch nur geringfügig sinkt, steht Trump vor einer schweren Niederlage. Es gibt einfach nicht genug amerikanische Wähler, die bereit sind, ihn wieder ins Weiße Haus zu wählen.<BR /><BR />Deutsch von Andreas Hubig<BR /><BR />DER AUTOR<BR /><BR /><b>Reed Galen</b> ist Mitbegründer von The Lincoln Project, einer pro-demokratischen Organisation, die von ehemaligen republikanischen Strategen mit dem Ziel gegründet wurde, Donald Trump zu besiegen. Er moderiert den Podcast von The Lincoln Project.<BR /><BR />© Project Syndicate 1995–2024