Im Moment ist das einzige Highlight für die SPÖ die Tatsache, dass am Montag der Beginn der offiziellen Koalitionsverhandlungen mit der Österreichischen Volkspartei und den NEOS besiegelt wurde. von <b>Andreas Schwarz</b><BR /><BR />Denn der Wahldritte vom 29. September (hinter FPÖ und ÖVP) mit dem schlechtesten Ergebnis in der Parteigeschichte (21,1 Prozent) will nach 7 Jahren Absenz endlich wieder in eine Regierung – koste es fast, was es wolle. Und die SPÖ hofft, dass die wichtigen Landtagswahlen am kommenden Sonntag in der Steiermark noch ein bisschen Rückenwind bringen werden – eine eher trübe Hoffnung angesichts der roten Stimmungslage.<h3>Unrühmliches Gerangel</h3>Die SPÖ hat zur Zeit an 3 Dingen zu kauen: Das unrühmliche Gerangel um den Parteivorsitz vor eineinhalb Jahren, als der ehrgeizige burgenländische SPÖ-Chef und Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil die wenig erfolgreiche Parteichefin Pamela Rendi-Wagner absägen wollte und in einer denkwürdigen Kampfabstimmung einem links-linken Kleinstadt-Bürgermeister unterlag (Andreas Babler), das zehrt bis heute an der Konstitution der Sozialdemokraten.<BR /><BR />Auch, weil dieser Andreas Babler, abgesehen von ein paar emotionalen Reden, mit seiner Partei nie in die Gänge kam. Der Alt-Marxist, der die EU einmal als „imperialistisches Objekt, schlimmer als die NATO“, bezeichnet hatte und der selbst eigene Genossen mit seinen Phantasien von Teuerungsgrenzen in der Verfassung und einer Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich vor den Kopf stieß, riss das Ruder der vor sich hin grundelnden SPÖ nicht herum – er ging mit dem klaren Kurs Niederlage in die jüngste Nationalratswahl.<h3>Fussi fordert Babler heraus</h3>Und nach dieser ging es Schlag auf Schlag: Ein Selbstdarsteller und ehemaliger SPÖ-Mann, Rudolf Fussi, forderte Babler medienwirksam als Parteichef heraus – Fussi will gegen den SPÖ-Chef kandidieren, auch wenn der politische Hallodri in vieler Parteien Diensten wohl kaum eine Chance haben dürfte; 2 Landesobmänner der SPÖ (Oberösterreich, Salzburg) traten aus persönlichen Gründen zurück; ein dritter (Georg Dornauer in Tirol) stolperte über einen Jagdausflug mit erlegtem Hirschen trotz Jagdverbots und darüber, dass er dabei mit dem Milliarden-Pleitier Renè Benko fotografiert wurde. Auch wenn Andreas Babler damit einige parteiinterne Kritiker los sein dürfte: seine Lage und die der SPÖ hat sich nicht verbessert.<BR /><BR />Was war das einmal für eine stolze Partei: Nach dem Krieg in ständiger Koalition mit der bürgerlichen Volkspartei, riss die SPÖ Anfang der 1970er-Jahre unter dem legendären Bruno Kreisky die absolute Mehrheit an sich – und erneuerte das Land, auch um den Preis von Milliardenschulden und einer Nivellierung der Gesellschaft. Auch in Koalitionen mit der FPÖ (!) und dann der ÖVP stellte man bis zum Jahr 2000 den Kanzler. Die Ära Schüssel (2000 bis 2006 regierte die ÖVP mit der FPÖ/BZÖ) betrachtete man als Irrtum der Geschichte. Dann zogen die Roten wieder ins Kanzleramt ein, mit der ÖVP als Juniorpartner – bis ÖVP-Heiland Sebastian Kurz zum Gott-sei-bei-uns der Sozialdemokraten wurde. Seit 2017 ist man von der vermeintlichen Erbpacht Kanzleramt, ja Regieren getrennt.<h3>Nur noch Juniorpartner</h3>Jetzt muss man hoffen, dass man als Juniorpartner mit der nicht innig geliebten Volkspartei wieder regieren kann (eine Ehe mit dem Wahlsieger FPÖ haben ja beide Parteien ausgeschlossen). Und dass man bei den kommenden Landtagswahlen nicht unter die Räder kommt. Seit 2022 hat die SPÖ alle Landtagswahlen verloren, in Salzburg und Tirol liegt sie unter 20 Prozent, in Vorarlberg gar unter 10 Prozent! In der Steiermark kommende Woche ist laut Umfragen von Platz 1 bis Platz 3 alles möglich, Tendenz in Richtung 3. Im Burgenland im kommenden Jahr erwächst dem Parteirebell Hans-Peter Doskozil im kommenden Jahr im ehemaligen FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer ein chancenreicher Konkurrent. Und in Wien im selben Jahr geht es wieder einmal um „wir oder die Schmuddel-FPÖ“ – und die SPÖ wird wohl Federn lassen.