Mittwoch, 23. August 2017

Was sagt Straßburg zur Lage im Elsass?

Die französische Politik tilgt das Elsass aus dem Bewusstsein der Bürger, lässt Sprache und Geschichte verschwinden. Was sagt der Straßburger Bürgermeister dazu?

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„‘En français, s’il vous plaît‘ (Deutsch: Auf Französisch, bitte): Die Frau an der Sicherheitsschleuse vor dem Europaparlament spricht nicht Englisch. Eine Delegation der Europäischen Vereinigung der Minderheitentageszeitungen Europas (Midas) ist in Straßburg, um die europäischen Institutionen näher kennen zu lernen und etwas über die Elsässer zu erfahren. Jeder der 10 Journalisten aus ganz Europa spricht neben seiner Muttersprache noch mindestens 2 weitere Sprachen: Die jeweilige Staatssprache und Englisch; mancher beherrscht auch noch weitere Sprachen. Die Frau an der Schleuse nicht. Ungerührt wartet sie, bis der Leiter der Midas-Gruppe ein paar französische Brocken zusammengesucht hat und erklärt, dass die Gruppe angemeldet ist. Die Frau ist nicht alt, hat sicher Englisch gelernt in der Schule. Trotzdem geht hier ohne Französisch nichts. Wie ist das möglich in der Hauptstadt Europas?“

So begann ein Bericht im Tagblatt „Dolomiten“ in der Ausgabe vom 19. Juli 2017.

In dem Bericht wurde klar, dass die Elsässer mehr Autonomie und nicht mehr auf Gedeih und Verderb dem Pariser Zentralismus ausgeliefert sein wollen. Kein Wunder: Vor 2 Jahren ließ Präsident François Hollande das Elsass in einer Großregion Nordest (mit Lothringen, der Champagne und den Ardennen) aufgehen; die Elsässer fürchten, dass sie nun auch noch den kümmerlichen Rest an Selbstständigkeit verlieren, den sie hatten. Dazu gehören private und staatliche zweisprachige Schulen, die freilich niemals den Bedarf abdecken konnten.

Die Folge: Von den knapp 2 Millionen Einwohnern des Elsass geben knapp 40 Prozent an, ihre Mundart zu verstehen, aber nur mehr ein Prozent der Kindergartenkinder sprechen den elsässischen Dialekt.

Was sagt der Straßburger Bürgermeister zur Lage seiner Landsleute? Die „Dolomiten“ schickten den Artikel samt einer Übersetzung ins Französische an das Presseamt der Stadt Straßburg.

Man darf gespannt sein auf die Antwort aus Straßburg.

sch

stol