Samstag, 15. Juni 2019

Washington und London: Iran hinter Angriffen auf Öltanker

Nach den mutmaßlichen Attacken auf zwei Öltanker im Golf von Oman herrscht weiter Rätselraten über die Urheberschaft - und die Angst vor einer bevorstehenden militärischen Eskalation. US-Präsident Donald Trump untermauerte am Freitag in einem Interview die US-Sichtweise. „Der Iran hat es getan“, sagte Trump dem Sender Fox News. Der Iran wies hingegen jede Schuld von sich.

Der norwegische Öltanker „Front Altair” geriet in Brand. Foto: APA (AFP)
Der norwegische Öltanker „Front Altair” geriet in Brand. Foto: APA (AFP)

Die EU gab sich in Sachen Schuldzuweisungen vorsichtig. „Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln“, sagte ein ranghoher EU-Beamter am Freitag in Brüssel.

Der Iran hält die am Vortag von US-Außenminister Mike Pompeo vorgebrachte Beschuldigung für „lächerlich, gleichzeitig aber auch besorgniserregend und gefährlich“, wie Außenamtssprecher Abbas Mousavi am Freitag laut der staatlichen Agentur IRNA sagte. Anstatt grundlose Unterstellungen zu verbreiten, sollte man eher herausfinden, wer von solchen Krisen am Golf am meisten profitiere.

Pompeo hatte den Iran verantwortlich gemacht und später zur Untermauerung ein Video präsentiert, das nach der Explosion spielt. Es soll zeigen, wie ein Schnellboot Typ „Gashti“ der iranischen Revolutionsgarden auf den Tanker „Kokuka Courageous“ zufährt und die Besatzung eine nicht explodierte Haftmine vom Rumpf des Tankers entfernen. Eine mögliche Erklärung wäre die Bergung des Sprengstoffes.

Auch Briten beschuldigen Iran

Auch der britischen Außenminister Jeremy Hunt äußerte die Überzeugung, dass die mutmaßlichen Angriffe vom Iran, und zwar von dessen Revolutionsgarden, ausgeführt wurden. „Unsere eigene Einschätzung führt uns zu der Annahme, dass die Verantwortung für die Angriffe fast ganz sicher beim Iran liegt“, betonte der Minister, ohne jedoch Beweise zu benennen. Kein anderer Staat oder nicht-staatlicher Akteur käme dafür vernünftigerweise in Betracht, betonte Hunt.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres sprach sich für unabhängige Untersuchungen aus. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warnte wie beispielsweise auch China vor übereilten Reaktionen und forderte eine ernsthafte Untersuchung. Trump hingegen sagte: „Nun ja, der Iran hat es getan, und sie haben es, wissen Sie, getan, weil man das Schiff gesehen hat.“ Er verwies damit auf das Video, das die USA am Vortag zur Verfügung gestellt hatten. Und er fügte hinzu: „Sie wollten nicht, dass Beweise zurückbleiben.“

Trump telefonierte am Freitag mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzu Abe, der kurz zuvor im Iran zu Besuch gewesen war und einen Vermittlungsversuch unternommen hatte. In dem Gespräch sei auch über die Umstände der Tanker-Explosionen beraten worden, teilte das Weiße Haus mit. Trump habe Abe für seine Vermittlungstätigkeit gedankt.

Weiter mysteriös

Die genauen Umstände der schweren Zwischenfälle am Vortag blieben zunächst weiter mysteriös. Der japanische Betreiber eines der Schiffe bestritt, dass der Tanker von einem Torpedo getroffen wurde. Es habe zwei Angriffe im Abstand von einigen Stunden gegeben, sagte der Präsident der Firma Kokuka Sangyo in Tokio. Die Crew der „Kokuka Courageous“ habe vor der zweiten Explosion ein „fliegendes Objekt“ gesehen, das auf sie zugesteuert sei, erklärte er weiter. Am Donnerstag hatte er zunächst mitgeteilt, der Tanker sei von „einer Art Granate“ angegriffen worden.

Das Schiff hat Methanol geladen und wird von der deutschen Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) gemanagt. Die 21-köpfige Besatzung sei auf den Tanker zurückgekehrt, teilte BSM in Singapur mit. Das Schiff soll nun in den Hafen Chaur Fakkan in den Vereinigten Arabischen Emiraten geschleppt werden.

Bei den Zwischenfällen nahe der Küste des Iran waren am Donnerstag in der Früh zwei Tanker beschädigt worden. Das zweite der beiden Schiffe, die „Front Altair“ einer norwegischen Reederei, geriet nach Explosionen in Brand.

apa/dpa

stol