Das Arbeitsessen im Brixner Finsterwirt kam auf ausdrücklichen Wunsch des österreichischen Bundespräsidenten zustande. Südtirol solle spüren, dass dem Land von Wien „nach wie vor große Aufmerksamkeit“ gewidmet werde, betonte Fischer, der den Landeshauptmann über die Gespräche, die er in den vergangenen Tagen mit Staatpräsident Giorgio Napolitano in Warschau und in Rom geführt hat, informierte. “Österreich nimmt Frage der doppelten Staatsbürgerschaft ernst“„Bei unserem Gespräch ist es um die doppelte Staatsbürgerschaft, die Referenden auf gesamtstaatlicher Ebene und jene zur Selbstbestimmung in einigen Südtiroler Orten gegangen. Außerdem habe ich den Bundespräsidenten auch über die faschistischen Relikte in unserem Land und die Bemühungen um deren Entschärfung auf dem Laufenden gehalten“, fasste Landeshauptmann Durnwalder zusammen. Fischer betonte, Österreich nehme die Frage der doppelten Staatsbürgerschaft für die Südtiroler ernst. „Das Thema wird eingehend behandelt. Das Außenministerium nimmt derzeit eine detaillierte Prüfung vor. Zunächst gilt es die rechtlichen Aspekte abzuklären, dann erst können politische Schritte gemacht werden. Jede Aussage von politischer Seite wäre also zum heutigen Zeitpunkt verfrüht“, betonte der Bundespräsident. Man könne nicht den vierten Schritt vor dem ersten setzen.„Werden keine Schritte setzen, die die Autonomie außer Kraft setzen“.Durnwalder erklärte dem Bundespräsidenten auch seinen Standpunkt zu den Volksbefragungen zur Selbstbestimmung, die in einigen Südtiroler Orten stattfinden: „Ich habe Fischer gesagt, dass Unterschriftensammlungen zur Ausübung des Selbstbestimmungsrechts im Gange sind. Wir stehen aber nach wie vor zur Autonomie und wollen diesen Weg weitergehen.“ Fischer unterstrich: „Für mich ist Autonomie der griechische Begriff für Selbstbestimmung. Wir stehen voll und ganz zur Autonomie und sind vertragstreu. Österreich will eine lebendige Autonomie und will, dass die Südtiroler sich im Rahmen der Autonomie bestmöglich entwickeln können.“Österreich werde „keine Schritte setzen, die die Autonomie außer Kraft setzen“. Die Autonomie sei ausbaubar. Südtirol habe durch diese Autonomie eine positive Entwicklung erfahren.Durnwalder sagte, die „Überlegungen“ von hochrangigen Wirtschaftsvertretern, zurück zu Österreich oder zu einem Freistaatmodell zu gehen, wolle er nicht überbewerten.Zum Thema Feuernacht erklärte Bundespräsident Fischer, dass er kein Urteil über dieses geschichtliche Ereignis in wenigen Worten fällen könne. „Ich stimme dem Landeshauptmann in dieser Frage zu, wenn er sagt, dass man mit Geschichte sehr sorgsam umgehen muss. Dies gilt besonders auch für dieses Thema“, so Fischer. Im Zusammenhang mit der Feuernacht sagte der Bundespräsident auch, dass es in Sachen Begnadigung der politischen Häftlinge keine Neuigkeiten gebe und deshalb über dieses Thema heute auch nicht gesprochen worden sei. „Wir wissen wie die Dinge stehen und was möglich ist“, sagte Fischer.Schließlich ging es in Brixen auch um die Vorbereitung des nächsten Treffens, das schon für Ende Juni in Wien auf dem Programm steht. Dann will die Südtirol-Delegation unter Führung von SVP-Obmann Richard Theiner und Durnwalder, die aktuellen Fragen thematisieren. Unter anderem steht ein Treffen mit Außenminister Michael Spindelegger auf dem Programm.