Isoliert sind die Fratelli, die dies als Einzige nicht mittrugen und auch gegen die Benennung eines Saales der Region nach Clara Marchetto waren. Nebst viel Pathos kam im Regionalrat auch die Warnung vor neuen Faschismen und Feindbildern. <BR /><BR />Weil der Rechtsblock den Saal verlassen hatte, war im Gemeinderat von Trient keine Mehrheit für die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Benito Mussolini zustande gekommen. Das nahm die Süd-Tiroler Freiheit zum Anlass, im Regionalrat einen Antrag einzubringen.<BR /><BR /> Dieser fordert die Verurteilung des Faschismus und verpflichtet die Regionalregierung, in Zusammenarbeit mit den Gemeinden zu erheben, wo Mussolini und andere Faschisten noch immer die Ehrenbürgerschaft haben und in welchen Gemeinden es faschistisch geprägte Straßennamen gibt. Punkt drei verpflichtet die Region zu intervenieren, damit sie abgeschafft werden. Der Antrag bekam in Folge die Unterschrift von sehr vielen Parteien.<h3> Fratelli wollten Antrag vorerst nicht unterstützen</h3>Dass man 2026 über so eine Selbstverständlichkeit diskutieren muss, ist traurig – aber wie es scheint, wichtig. Und in der Mehrheit ein Spagat. Seit Tagen hatten sich die Fratelli geweigert, dem Antrag zuzustimmen. Ihr Versuch, ihn so zu verwässern, dass nicht einmal mehr Mussolini drin geblieben wäre, wurde aber von Knoll und dem Landeshauptmann in den Wind geschossen. <BR /><BR />Mit Hängen und Würgen holte die SVP die Fratelli doch noch an Bord, indem man die Verurteilung neben dem Faschismus auf Nationalsozialismus und Totalitarismen ausdehnte. Dieser Punkt wurde mit 55 Jastimmen, also auch jenen der Fratelli, einstimmig genehmigt. Alle weiteren zu Ehrenbürgerschaften und Straßennamen gingen ebenfalls einstimmig durch – allerdings ohne Fratelli, die an dem Votum nicht teilnahmen. <BR /><BR />Wie bereits am Morgen, wo sie als Einzige gegen die Benennung des Regionalratssaals nach der Antifaschistin Clara Marchetto gestimmt hatten, blieben sie damit isoliert. Bei den Prämissen ging die Mehrheit mit 28:26 Stimmen unter. Vizepräsident Sepp Noggler hatte sich enthalten.<h3> Mit viel Pathos geführte Debatte</h3>Was bleibt, ist eine mit viel Pathos geführte Debatte, die Brigitte Foppa ihrem Vater widmete, der als „Alfons geboren und also Alfonso gestorben“ sei, und Waltraud Deeg an ihren Vater erinnerte, der „mit 18 Jahren als Kanonenfutter nach Stalingrad“ geschickt wurde. <BR /><BR />Viele Abgeordnete führten die Gräueltaten der Faschisten, vor allem an den Minderheiten, ins Feld. „Es sei eine Schande, dass es heute Ehrenbürgerschaften für Mussolini gebe“, so Franz Locher. Haltung sei gefragt, so Deeg. Luis Walcher erinnerte an die missglückte Umbenennung des Bozner Sieges- in Friedensplatz. Man lasse sich die Geschichte nicht umschreiben, hieß es von den Trentiner Linksparteien.<h3> „Einen Kriminellen wie Mussolini als Ehrenbürger zu haben, ist absurd“</h3>Doch es gab auch jene, die tiefer gruben: „Mein Problem sind mehr die Faschismen von heute, die damit beginnen, dass man Feindbilder schafft, und da ist Kollege Knoll auch nicht weit weg“, so Andreas Leiter Reber. „Faschismus fängt mit Diskriminierung an, und da kommt der Ruf in Südtirol genau von jenen, die jetzt mit Anträgen hier die Antifaschisten herauskehren“, so Brigitte Foppa. „Einen Kriminellen wie Mussolini als Ehrenbürger zu haben, ist absurd. Verurteilen aber reicht nicht“, so Landeshauptmann Arno Kompatscher. Wer jetzt neue Sündenböcke schaffe und von Remigration rede, schaffe neue Faschismen. Da gehe es nämlich nicht im die Abschiebung straffälliger Ausländer, sondern von jenen, „die nicht zu uns passen.“<BR /><BR />Knoll nahm es gelassen. Auch er sei der Meinung, dass Faschismus mit Worten beginne, lasse sich aber vom Landeshauptmann nicht belehren, der mit den „neuen Faschisten in einer Landesregierung“ sitze.<BR /><BR />Allemal geht jetzt der Ball an die Regionalregierung und an die Gemeinden. Ehrenbürgerschaften von Faschisten sind zu erheben und dann abzuschaffen. Dasselbe gilt für faschistische Straßennamen – und von denen gibt es in Südtirol noch einige.