Samstag, 16. Mai 2020

Wegen Beteiligung am Völkermord gesuchter Ruander festgenommen

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Völkermord im ostafrikanischen Ruanda ist der steckbrieflich gesuchte Felicien Kabuga in Paris festgenommen worden. Er habe unter falscher Identität in einem Apartment in Asnières-sur-Seine im Norden der französischen Hauptstadt gewohnt, teilte die Gendarmerie mit.

Beim Völkermord in Ruanda kamen 1994 etwa 800.000 Menschen ums Lebern.
Beim Völkermord in Ruanda kamen 1994 etwa 800.000 Menschen ums Lebern. - Foto: © APA/afp / YASUYOSHI CHIBA
Seine Kinder seien dabei Komplizen gewesen, hieß es in der Mitteilung. Die Festnahme habe nun den Weg frei gemacht für ein gerichtliches Verfahren vor dem Berufungsgericht in Paris. Am Ende müsse Frankreich Kabuga an den Strafgerichtshof in Den Haag überstellen.

„Meilenstein“

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) sprach von einem „Meilenstein in der Aufarbeitung des Völkermords in Ruanda“. GfbV-Direktor Ulrich Delius meinte jedoch: „Es ist beschämend, dass es 26 Jahre gedauert hat, einen der bedeutendsten Hintermänner des Genozids in Ruanda zu fassen.“ Für die Angehörigen der Opfer des Völkermords sei es wichtig, dass Kabuga trotz seines hohen Alters noch zur Rechenschaft gezogen werde.

Etwa 800.000 Todesopfer

Kabuga stand auch einem Fonds zur nationalen Verteidigung vor, der Gelder für die Finanzierung der berüchtigten Interahamwe-Miliz beschaffte. Er soll auch große Mengen an Macheten importiert haben, mit denen später Massaker verübt wurden.

1994 hatten in Ruanda Vertreter der Hutu-Mehrheit etwa 800 000 Angehörige der Tutsi-Minderheit sowie gemäßigte Hutu getötet. Das Massaker wurde erst nach rund 100 Tagen beendet, als die im Exil von Tutsi gegründete Ruandische Patriotische Front (RPF) mit dem heutigen Präsidenten Paul Kagame an der Spitze aus Uganda einmarschierte.

Viele mutmaßliche Verbrecher noch immer frei

Der Binnenstaat Ruanda war bis zum Ersten Weltkrieg Teil der Kolonie Deutsch-Ostafrika. Auch rund 26 Jahre nach dem Völkermord dort leben viele Beteiligte noch immer frei in Deutschland und anderen Ländern. Immer wieder müssen sie sich vor Gerichten verantworten.

dpa/stol