Donnerstag, 04. Juni 2020

Wegen Grenzöffnung steigende Migration in Europa erwartet

Mit dem Wegfall der im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen eingeführten innereuropäischen Grenzkontrollen wird nach Ansicht des Wiener Zentrums für Migrationspolitik (ICMPD) auch die Zahl der Grenzübertritte in die EU wieder „relativ stark“ ansteigen. Die Krise habe gezeigt, wie wichtig legale Wege der Arbeitsmigration und Investitionen in Ausbildung seien, so ICMPD-Experte Martin Hofmann.

Die Zahlen werden sich wieder jenen vor Corona annähern.
Die Zahlen werden sich wieder jenen vor Corona annähern. - Foto: © EXPA/ JOHANN GRODER
„Werden alle Mobilitätsrestriktionen aufgehoben, sind wir im Herbst wieder bei ähnlichen Monatszahlen wie im Vorjahr“, antwortete Hofmann auf die Frage, mit welcher zeitlichen Verzögerung nach den Grenzöffnungen zu rechnen ist. Die Ganzjahreszahlen 2020 werden laut dem „International Centre for Migration Policy Development“ aber unter denen des Vorjahres liegen.

Einerseits, weil in den Monaten der Grenzschließungen nur wenige Übertritte registriert wurden, andererseits weil davon auszugehen ist, dass Reisefreiheit für Staatsangehörige aus Drittstaaten noch länger nicht gegeben ist. 2019 hatten die Asylantragszahlen von Venezolanern und Kolumbianern in der EU massiv zugenommen - sie konnten in Vor-Corona-Zeiten visafrei nach Spanien einreisen, viele stellen danach einen Antrag auf Asyl.

Auch wenn die Antragszahlen aus Lateinamerika in diesem Jahr recht niedrig sein dürften, sei generell durch die Corona-Pandemie das Potenzial für Fluchtbewegungen sehr gewachsen, betonte Hofmann. Viele Menschen seien direkt von den negativen wirtschaftlichen Folgen betroffen, dadurch dürfte - wie in den vergangenen Jahren - die Zahl der Binnenvertriebenen (IDPs) steigen. Aber auch die „gut gebildete Mittelschicht“ könnte sich auf der Suche nach Perspektiven auf den Weg nach Europa machen.

apa