Freitag, 16. Dezember 2016

Weihnachtsansprache des Bischofs im Landtag

Bischof Ivo Muser überbrachte am Donnerstag den Abgeordneten die Weihnachtsbotschaften und zog eine Brücke vom Evangelium in die heutige Zeit. Auch damals fürchteten sich die Hirten vor dem Fremden und Unbekannten.

Bischof Ivo Muser überbrachte am Donnerstag den Abgeordneten die Weihnachtsbotschaften. - Foto: DLife
Badge Local
Bischof Ivo Muser überbrachte am Donnerstag den Abgeordneten die Weihnachtsbotschaften. - Foto: DLife

Präsident Roberto Bizzo konnte am Donnerstag im Plenarsaal des Landtags als hohen Gast den Diözesanbischof Ivo Muser begrüßen, der eine Weihnachtsansprache an die Abgeordneten richtete.

Bischof zitiert Lukasevangelium

Bischof Ivo Muser begann seine Worte an der Stelle im Lukasevangelium, da den Hirten ein Engel erscheint und sie sich vor ihm fürchten. Dann hören sie von ihm die Frohe Botschaft. “Auch heute fürchten viele, was sie sich nicht erklären können”, sagte Bischof und nannte als Beispiele die Auswirkung der Kriege, die Flüchtlingsbewegungen oder die Krisen. Keiner kenne die richtige Antwort, aber eine demokratische Gesellschaft müsse human bleiben, sie müsse auf Verantwortung setzen statt auf Populismus, der Angst und Hass schüre.

"Europa steht am Wegkreuz zwischen nationalem Egoismus und gemeinsamen Werten"

Die EU wurde nach dem Weltkrieg auch als humanistisch-christliche Wertegemeinschaft gegründet, nun aber drohe das große Wir wieder in das kleine Wir der Nationen zu zerfallen, Europa stehe am Wegkreuz zwischen nationalem Egoismus und gemeinsamen Werten. Es sei Paulus, ein Wanderer, gewesen, der das Christentum nach Europa gebracht habe. “Die Flüchtlinge gehören nicht zu uns, hört man heute. Es macht mich betroffen, wenn solch ein Satz unter christlichem Vorwand gesagt wird.”

Armut auch in Südtirol

Der Bischof bezeichnete es auch als täglichen Auftrag, die Wirtschaft mit dem Leben der Menschen kompatibel zu halten. Früher sei die Technik zur Lösung von Problemen da gewesen, heute sei sie oft Selbstzweck. Südtirol sei ein Wohlstandsland, und dennoch seien noch viele arm oder armutsbedroht. Bedürftige, zu denen auch die Flüchtlinge zählten, seien oft dem Verdacht ausgesetzt, sozialen Missbrauch zu verüben, bedauerte Bischof Muser.

Gegen Politiker-Bashing

Auch in Südtirol sei es Mode geworden, die Politik zu beschimpfen oder als schmutziges Geschäft zu bezeichnen. Er teile diese Einstellung nicht, betonte der Bischof, er möchte alle ermutigen, sich für Politik zu interessieren, sich für das Gemeinwohl einzusetzen und sich vordergründigen und egoistischen Lösungen zu widersetzen.

Bischöfliche Weihnachtswünsche

Schließlich wünschte Bischof Ivo Muser den Abgeordneten frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr, ein Jahr der Solidarität und des Respekts, der gegenseitigen Wertschätzung und des menschlichen Umgangs miteinander.

Präsident Roberto Bizzo bedankte sich beim Bischof für seine Worte sowie beim Kinderchor Deutschnofen und dem Instrumental-Ensemble der Musikschule Leifers-Regglberg für die musikalische Umrahmung der Feier.

lpa/stol

stol