Dienstag, 15. Januar 2019

Weltstrafgericht: Richter Tarfusser spricht Ex-Präsident Gbagbo frei

Das Weltstrafgericht in Den Haag unter Vorsitz des Bozner Richters Cuno Tarfusser hat den früheren Präsidenten der Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste), Laurent Gbagbo, überraschend freigesprochen - aus Mangel an Beweisen. Sieben Jahre nach seiner Festnahme ordneten die Richter am Dienstag die Freilassung des 73-Jährigen an. Gbagbo musste sich seit 2016 wegen schwerster Verbrechen nach der Präsidentenwahl 2010 vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten.

In Gagnoa, dem Geburtsort von Ex-Präsident Gbagbo, ging die Bevölkerung nach dem Freispruch jubelnd auf die Straße.
In Gagnoa, dem Geburtsort von Ex-Präsident Gbagbo, ging die Bevölkerung nach dem Freispruch jubelnd auf die Straße. - Foto: © APA/AFP

Auch der mitangeklagte frühere Jugendminister Charles Ble Goude (47) wurde von allen Anklagepunkten freigesprochen. Die Anklage habe nicht genügend Beweise vorgelegt, urteilte das Richtergremium unter Vorsitz von Cuno Tarfusser und gab damit einem Antrag der Verteidiger statt.

>

Der aus Bozen stammende Vorsitzende Richter Cuno Tarfusser beim Betreten des Gerichtssaals in Den Haag. - Foto: AFP

Der Freispruch ist ein schwerer Rückschlag für die Anklage. Das Verfahren gegen beide Angeklagte war noch nicht abgeschlossen. Gbagbo war das erste ehemalige Staatsoberhaupt, dem das Weltstrafgericht den Prozess gemacht hatte. Die Anklage kann Berufung gegen das Urteil einlegen.

In der Elfenbeinküste wurde der Freispruch von den großen Parteien und von der Bevölkerung großteils begrüßt. Ein Sprecher von Gbagbos FPI-Partei, Assoa Adou, sagte, es sei noch nicht klar, ob Gbagbo 2020 wieder als Kandidat bei der Präsidentenwahl antreten werde. Die Frau des Expräsidenten, Simone Gbagbo, erklärte, sie habe nie an einem Freispruch gezweifelt.

Die Anklage lastete Gbagbo unter anderem die Verantwortung für Morde und Vergewaltigungen in dem westafrikanischen Land an. Er hatte 2010 die Präsidentenwahl verloren, sich aber geweigert, für seinen Nachfolger Präsident Alassane Ouattara Platz zu machen. Bei dem bis April 2011 dauernden Konflikt waren rund 3.000 Menschen getötet worden.

apa/dpa

stol