Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich am Montag in seinen sozialen Medien erfreut über das Ergebnis: „Heute ist ein guter Tag, um Europa-Patriot zu sein. Unsere Nachbarn haben gewählt und sich für mehr Europa entschieden. Ich gratuliere @magyarpeterMP zu diesem Wahlergebnis. Es zeigt, was Europa schon immer stark gemacht hat: seine Bürgerinnen und Bürger.“<BR /><BR />Vor allem sei der Wahlsieg ein Beleg für die Widerstandsfähigkeit und Entschlossenheit der Menschen in Ungarn sowie „eine Mahnung an uns alle, uns weiterhin für Gerechtigkeit, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit einzusetzen“, ergänzte Obama. Sein Nachfolger US-Präsident Donald Trump pflegte gute Beziehungen zum nun abgewählten ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Erst in der vergangenen Woche hatte US-Vizepräsident JD Vance Budapest besucht. Eine Reaktion Trumps und auch des Kremls standen noch aus.<BR /><BR />Russland hat mit Zurückhaltung auf die Wahlniederlage Orbans reagiert, der trotz des Ukraine-Kriegs eine enge Beziehung zur Führung in Moskau gepflegt hatte. Man hoffe auf eine Fortsetzung der „pragmatischen Beziehungen“ mit der neuen Regierung, sagt Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow. Russland respektiere die Wahlentscheidung des ungarischen Volkes. Zudem sei man an guten Beziehungen zu Ungarn und dem übrigen Europa interessiert. Die Wahl habe nichts mit dem russisch-ukrainischen Konflikt zu tun. Zugleich warnte Peskow, alle Schritte zur Unterstützung der ukrainischen Ambitionen seien für einen Frieden nicht hilfreich.<BR /><BR />Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Wahl in Ungarn als klares Zeichen gegen Rechtspopulismus bezeichnet und sich erleichtert über das Ergebnis gezeigt. „Der Rechtspopulismus hat gestern in Ungarn eine schwere Niederlage erlitten. Und das betrifft nicht nur Ungarn. Von Ungarn geht ein sehr klares Zeichen aus gegen den Rechtspopulismus auf der ganzen Welt. Insofern war das auch in dieser Hinsicht ein guter Tag gestern“, sagte der CDU-Politiker bei einer Pressekonferenz in Berlin. Merz sagte, er sei „persönlich sehr dankbar und erleichtert“ über das klare Wahlergebnis.<BR /><BR />Magyars TISZA-Partei hat nach Berechnungen der Wahlkommission bei der Wahl am Sonntag eine Zweidrittelmehrheit im neuen Parlament erreicht. Orbán, der in 16 Jahren Regierungszeit einen halb-autoritären Staat errichtet hatte, gestand seine Niederlage ein. Bereits am Sonntag hatten zahlreiche Regierungschefs und Regierungschefinnen auf das Wahlergebnis reagiert.<h3> Meloni zuversichtlich hinsichtlich Zusammenarbeit</h3>Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni etwa zeigte sich zuversichtlich, dass Ungarn und Italien „weiterhin im konstruktiven Geist im Interesse unserer Völker sowie angesichts gemeinsamer Herausforderungen auf europäischer und internationaler Ebene zusammenarbeiten werden“. EU-Ratspräsident António Costa schrieb, er freue sich darauf, eng mit Magyar zusammenzuarbeiten - um Europa stärker und wohlhabender zu machen. „Ungarns Platz ist im Herzen Europas“, bekräftigte die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola.<BR /><BR />Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte an, mit Magyar für den Frieden zusammenarbeiten zu wollen. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz schrieb auf der Plattform X, er freue sich auf die Zusammenarbeit für ein starkes, sicheres und geeintes Europa. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) grüßte auf X die Bürgerinnen und Bürger des Nachbarlandes mit „Willkommen zurück, liebe Nachbarn!“ Sie betonte: „Es darf nicht sein, dass einzelne Mitgliedstaaten ganz Europa schwächen. Die Handlungsfähigkeit der EU muss sichergestellt sein.“<BR /><BR />Manfred Weber, Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), gratulierte Magyar, dessen Partei der EVP angehört, telefonisch zum Wahlsieg. Die Wahl in Ungarn sei ein Signal gegen Europas Rechtspopulisten. „Die Rechtspopulisten in Europa verlieren heute Nacht ihre Identifikationsfigur“, sagte Weber dem „Spiegel“.<h3> „Nie einfach gegen einen so starken Gegner anzutreten“</h3>Der tschechische Regierungschef Andrej Babiš und sein slowakischer Amtskollege Robert Fico gratulierten Magyar zum Sieg. Beide hatten zuvor den bisherigen Premier Orbán öffentlich unterstützt. Babiš' Partei ANO gehört wie Orbáns Fidesz den rechtspopulistischen „Patrioten für Europa“ (PfE) an.<BR /><BR />„Ich gratuliere Péter Magyar zu seinem Wahlsieg. Es war nie einfach, sich einem so starken Gegner wie Viktor Orbán zu stellen. Dennoch hat er das Vertrauen der Mehrheit der Ungarn gewonnen, die große Hoffnungen in ihn setzen. Er darf sie nicht enttäuschen“, schrieb Babiš auf X. „Ich werde stets konstruktiv mit demjenigen zusammenarbeiten, für den sich die Wähler entscheiden“, so der tschechische Regierungschef.<BR /><BR />Fico schrieb auf Facebook, er nehme die Entscheidung der ungarischen Bürger „mit vollem Respekt zur Kenntnis“ und sei bereit zur intensiven Zusammenarbeit mit dem neuen ungarischen Ministerpräsidenten, „dem ich zu seinem Wahlergebnis gratuliere“. Die Ziele der slowakischen Regierung blieben unverändert, versicherte Fico. Er wünsche ein weiteres gemeinsames Vorgehen mit Ungarn im Streit mit der Ukraine um die Wiedereröffnung der beschädigten Druschba-Ölpipeline.<BR /><BR />Polens Regierungschef Donald Tusk freute sich über den Wahlsieg der TISZA-Partei. „Willkommen zurück in Europa“, schrieb Tusk auf X. Dazu postete er ein Video, dass ihn während einer Visite in Südkorea beim Telefonat mit Wahlsieger Magyar zeigt. „Oh, ich bin so glücklich! Ich glaube, ich bin sogar noch glücklicher als du“, sagte Tusk auf Englisch. „Alle befürchteten einen Trend zu autoritären, korrupten Regimen. Das ist nicht der Fall“, so Tusk laut der staatlichen Nachrichtenagentur PAP.<BR /><BR />Dem ehemaligen EU-Ratspräsidenten Tusk war 2023 ein Wahlerfolg gelungen, der nun vielfach als Referenz für den Sieg von Magyar dient. Bei der polnischen Parlamentswahl im Herbst 2023 hatte ein von Tusk geführtes proeuropäisches Oppositionsbündnis die Mehrheit erlangt. Nach acht Jahren an der Regierung wurde die rechtskonservative, EU-skeptische PiS damals in die Opposition verwiesen. Kurz nach dem Regierungswechsel gab die EU die wegen Rechtsstaatsbedenken eingefrorenen EU-Gelder für Polen frei. Das Gleiche wird nun auch im Fall Ungarns erwartet.<h3> Le Pen: „Groteske Diktatur-Vorwürfe gegen Orbán“</h3>Das Internationale Auschwitz Komitee betonte, dass „über 16 Jahre hinweg Auschwitz-Überlebende und ihre Angehörigen den Rückbau der Demokratie in Ungarn, die Ausgrenzung der Erfahrung von ungarischen Überlebenden des Holocaust aus dem öffentlichen Diskurs und den Lehrplänen der Schulen sowie die Rehabilitierung von NS-Sympathisanten im öffentlichen Raum, mit Schmerz und Empörung verfolgt“ hätten. Vizepräsident Christoph Heubner erklärte am Montag in einer Aussendung, dass „diese Geschichtsklitterung“ unter der Orbán-Regierung mit einer rüden Ausgrenzung und Diffamierung politisch Andersdenkender und auch von Gruppen ungarischer Sinti und Roma einherging. „Damit ist nun Schluss!“<BR /><BR />Die französische Rechtspopulistin Marine Len Pen hat die positive Reaktion der EU-Kommission kritisiert. Die von der EU-Kommission ausgedrückte „Genugtuung“ sollte die Ungarn „beunruhigen“, schrieb die politische Verbündete Orbáns am Montag im Onlinedienst X. Orbán habe 16 Jahre lang „mit Mut und Entschlossenheit die Freiheit und Souveränität Ungarns verteidigt“, erklärte Le Pen. <BR /><BR />Ungarn habe sich auf demokratische Weise zum Machtwechsel entschieden, „trotz der grotesken Diktatur-Vorwürfe“ gegen Orbáns Regierung, betonte die Fraktionschefin der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National (RN). RN-Parteichef Jordan Bardella hatte bereits am Vorabend den scheidenden ungarischen Ministerpräsidenten als „großen Patrioten“ bezeichnet. Die RN ist mit Orbáns Partei Fidesz in der Fraktion der „Patrioten für Europa“ (PfE). Die PfE-Europafraktion zeigte sich in einer Stellungnahme am Montag kritisch gegenüber der „Einflussnahme“ der EU-Kommission auf „nationale politische Prozesse“, und drückte ihre Unterstützung für Orbán aus.<BR /><BR />Die deutsche AfD reagiert verhalten auf die Wahlniederlage von Ungarns Regierungschef Orbán. Eine öffentliche Reaktion der Parteispitze blieb bis zum Mittag nach dem Wahltag zunächst aus. Der außenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Markus Frohnmaier, schrieb auf der Plattform X, man nehme das Wahlergebnis in Ungarn mit Respekt zur Kenntnis.