In der Türkei ist kein Ende der Protestwelle gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan abzusehen. Die Gewalt ebbte zunächst aber ab, nachdem sich die Polizei an einigen Brennpunkten zurückhielt.Zusammenstöße wurden in der Nacht zum Samstag erneut aus dem Istanbuler Stadtteil Sultangazi gemeldet.Die Polizei rückte mit Tränengas und Wasserwerfern an, um Barrikaden zu räumen – Protierer warfen Brandsätze und Feuerwerkskörper, berichteten türkische Medien. Erdogan traf führende Politiker seiner islamisch-konservativen AKP zu Beratungen.Unterdessen nahm die Polizei in der südlichen Provinz Adana erneut mindestens fünf Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter fest, denen Verbreitung von Desinformation vorgeworfen wurde. Nach sieben weiteren Beschuldigten werde gesucht.Internationale KritikInternational ist die türkische Regierung in den vergangenen Tagen immer mehr in die Kritik geraten. EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle hatte Ankara am Vortag aufgerufen, Verantwortliche für unverhältnismäßige Polizeigewalt gegen Demonstranten zu bestrafen und Grundrechte zu schützen.Erdogan wehrte bei einer Konferenz in Istanbul vor zahlreichen ausländischen Gästen heftig. Er behauptete zudem, beim Vorgehen gegen „Occupy Wallstreet“-Proteste in den USA seien 17 Menschen getötet worden. Die US-Botschaft in Ankara wies das als falsch zurück.Gruppen der Protestbewegung waren weiter auf den Straßen unterwegs. Die Protestwelle hat sich an der brutalen Räumung eines Protestlagers im Gezi-Park am Randes des Istanbuler Taksim-Platzes entzündet.Inzwischen richten sich die Demonstrationen vor allem gegen den als immer autoritärer empfundenen Kurs Erdogans und seiner islamisch-konservativen Partei.dpa