Offen ist derzeit, ob es überhaupt einen Nachfolger bzw. eine Nachfolgerin geben wird, oder ob die Landesregierung mit sieben Mitgliedern bis zum Ende der Legislatur im Herbst weiterregiert.STOL hat mit Landeshauptmann Luis Durnwalder über den Stand der Dinge gesprochen.Südtirol Online: Ihre Reaktion auf den gestrigen Abend?Durnwalder: Ich kann verstehen, dass Arnold Schuler verärgert ist. Kein Mensch wollte dieses Ergebnis. Man muss sich aber auch fragen, ob uns die Opposition möglicherweise eine Falle gestellt hat. Vier Landtagsabgeordnete haben vor der Wahl erklärt, für Schuler zu stimmen. Ob sie ihn dann gewählt haben, weiß ich nicht. Von den SVP-Landtagsabgeordneten haben einige sicher nicht für Schuler gestimmt. Ob es neun waren, kann man natürlich nicht nachweisen. Eines muss man aber schon sagen: Ein bisschen ist Schuler schon auch selbst Schuld. Ich erinnere mich noch an seine erste Aktion im Landtag, als er im Dezember 2008 gegen die Landesregierung gestimmt hat. Der eine oder andere hat sich daran noch erinnert. Da ein paar SVP-Landtagsabgeordnete gedacht haben, dass Schuler dank der Stimmen der Opposition ohnehin die notwendige Mehrheit erhält, haben sie ihn nicht gewählt. Wer und wie viele das waren, ist schwer zu sagen.STOL: Hätte Schuler die Wahl annehmen sollen?Durnwalder: Ja. Ich bin der Meinung, dass Schuler etwas überreagiert hat. Auch andere Landesräte wurden nicht beim ersten Mal gewählt: Auch Kasslatter Mur, Widmann, Bizzo und Theiner haben nicht im ersten Wahlgang die notwendige Mehrheit erhalten. Wenn man schon im Ring ist und austeilt, muss man halt zur Kenntnis nehmen, dass man ab und an auch etwas zurückbekommt. Man kann nicht den Anderen mit den genagelten Schuhen ins Gesicht schlagen und gleich beleidigt sein, wenn man etwas zurückbekommt.STOL: Arnold Schuler und Sie gelten nicht als allerbeste Freunde. Schon in Schulers Zeit als Präsident der Gemeinden gab es einige Auseinandersetzungen. Haben Sie Schuler gestern im Landtag im ersten Wahlgang gewählt?Durnwalder: Was ich gewählt habe, werde ich sicherlich niemandem sagen, weil das eine private Angelegenheit ist. Klar ist er mir einige Male in einer Art und Weise entgegengetreten, die nicht unbedingt immer schmeichelhaft war. Aber ich möchte auch ganz ehrlich und ohne Hintergedanken sagen: Ich habe ihn insofern immer geschätzt, weil ich der Meinung war, dass er ein ernsthafter und ehrlicher Mensch ist. Er hat sich bemüht, in dem Bereich in dem er tätig war, seine Pflicht zu tun. Ich bin überzeugt, dass er ein guter Landesrat für Urbanistik geworden wäre. Tatsache ist, dass ich ja schon das Dekret für die Ernennung von Schuler zum Landesrat unterschrieben hatte. Ich musste es heute Morgen schnell wieder zurückholen. Auch die ganzen Vordrucke für die Landesregierung hatte ich schon vorbereiten lassen und auch hier musste ich heute gleich eingreifen. Schuler war auch bereits für die kommende Sitzung der Landesregierung vorgesehen. Ich hätte ihn gerne als Landesrat gesehen. Kein Mensch hätte geglaubt und gewollt, dass es soweit kommt. Schuler hätte die zweite Wahl abwarten sollen, weil erst dann die richtige Abstimmung gemacht wird. Beim ersten Wahlgang wird halt manchmal taktiert.STOL: Wer soll jetzt Nachfolger von Hans Berger werden?Durnwalder: Heute Abend gibt es in der SVP eine Sitzung und am Montag trifft sich der Parteiausschuss der SVP. Dieser wird entscheiden, ob die Landesregierung die Legislaturperiode mit sieben Mitgliedern beendet oder ob doch auf acht aufgestockt wird. Kandidaten aus dem Pustertal, Brixen, Bozen und Meran gibt es mehrere. Allerdings habe ich gehört, dass die SVP in Meran keinen neuen Kandidaten aufstellen wird.STOL: Welchen Landtagsabgeordneten könnten Sie sich als Landesrat vorstellen?Durnwalder: Ich bin im Grunde für eine Landesregierung mit acht Mitgliedern, aber ich mache keinen Krieg daraus. Ich bin auch einverstanden, wenn es bei sieben bleibt. Ich habe mir erklären lassen, dass es proporzmäßig möglich ist. Was mögliche Kandidaten betrifft: Die Namen, die bisher genannt wurden, gehen für mich alle gut.STOL: Namen wollen Sie keine nennen?Durnwalder: Nein, die Leute die interessiert sind, sollen sich selbst melden.STOL: Für die SVP war der Mittwochabend ein Desaster.Durnwalder: Es ist sicher für die SVP eine schwierige Zeit. Gerade jetzt war das sicher nicht positiv. Aber keiner wollte es im Grunde genommen. Jetzt ist es so gekommen und man muss schauen, ob man nachbesetzt oder nicht. Dann ist die Sache behoben.STOL: Martha Stocker ist dafür, nun keinen Nachfolger mehr für Landesrat Berger mehr zu wählen, also die Landesregierung bei sieben Mitgliedern zu belassen.Durnwalder: Wer interessiert ist, wird sich sicher melden.STOL: Liegt die Schuld nur bei Schuler, oder auch bei der SVP?Durnwalder: Hätte man das vorab gewusst, wäre sicher ein anderes Ergebnis herausgekommen und zwar schon beim ersten Wahlgang. Dass Schuler die zweite Wahl gar nicht abgewartet hat, war eine Überreaktion. Dann hätten auch alle anderen Landtagsabgeordneten bei der Wahl zum Landesrat die Flinte ins Korn werfen müssen. Schuler muss verstehen, dass man – wenn man austeilt – auch bereit sein muss, einzustecken. Man kann nicht immer nur austeilen. Ich bin mir aber sicher, dass das Ergebnis des ersten Wahlgangs keine konzertierte Aktion war. Jeder hat sich gewundert und niemand wollte dieses Ergebnis.STOL: Angenommen die Landesregierung wird auf acht Mitglieder aufgestockt: Welcher SVP-Bezirk käme zum Zug?Durnwalder: Wenn Martha Stocker nicht in die Landesregierung möchte, dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass es für Hans Berger keinen Nachfolger geben wird und die Landesregierung bei sieben Mitgliedern bleibt. Sie hat doch die SVP-Frauen und den Bezirk Pustertal hinter sich.Interview: Rupert Bertagnolli______________________________________________________________________________________War Schuler konsequent? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit und stimmen Sie ab bei der STOL-TED-Umfrage.