Informationen über einen Flug Snowdens von Moskau nach Havanna stellten sich als falsch heraus. Mitgereiste Journalisten standen vor leeren Aeroflot-Sitzen. Die Nachrichtenagentur Interfax meldete schließlich, dass der von der US-Justiz gejagte Aufdecker Russland in der Zwischenzeit mit einem anderen Flug verlassen haben soll. Über den genauen Aufenthaltsort Snowdens herrscht Rätselraten.Nach seiner Flucht von Hongkong nach Moskau sucht der frühere Geheimdienstmitarbeiter offenbar im südamerikanischen Ecuador Schutz vor der Strafverfolgung durch die US-Behörden. Snowden, der als sogenannter „Whistleblower“ in den vergangenen Wochen umfangreiche Abhöraktionen der Geheimdienste der USA und Großbritanniens öffentlich gemacht hatte, hat einen Asylantrag in dem Andenstaat gestellt. Die USA appellierten an die Regierung in Quito, diesen Antrag abzulehnen.Montagvormittag hielt sich Snowden noch im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf. Von Moskau aus wolle er nach Kuba weiterreisen, hieß es zunächst. Die Enthüllungsplattform WikiLeaks, die Snowden auf der Flucht unterstützt, teilte mit, dass dieser sich „auf einer sicheren Route“ auf dem Weg nach Ecuador befinde.Die USA ließen unterdessen nach CNN-Informationen den Pass des 30-Jährigen annullieren. Das US-Außenministerium forderte die Staaten auf dem amerikanischen Kontinent außerdem auf, bei der Fahndung zusammenzuarbeiten.Snowden dürfe nicht erlaubt werden, sich zu verstecken oder in ein anderes Land außer den USA weiterzureisen. Zugleich wurde Hongkong für seine mangelnde Kooperation mit den US-Behörden gerügt. Nach Informationen der „New York Times“ hat allerdings nicht Hongkong, sondern China über die Ausreise Snowdens entschieden.Peking habe sich damit aus der Zwickmühle befreien wollen, das Verhältnis zu den USA nicht zu sehr zu belasten und gleichzeitig den Informanten nicht an die Amerikaner auszuliefern, schrieb das US-Blatt unter Berufung auf ungenannte Experten. Von Russland forderten die USA die Auslieferung Snowdens.US-Außenminister John Kerry warnte China und Russland denn auch vor „Auswirkungen auf die Beziehungen und Konsequenzen“. Wenn es Snowden „vorsätzlich“ erlaubt worden sei, „an Bord eines Flugzeugs zu steigen“, empfänden die USA dies als „sehr enttäuschend“. In Russland sah man keinen Grund, den in Moskau zwischengelandeten Snowden festzunehmen und in die USA auszuliefern.„Die Amerikaner können nichts fordern. Wir können ihn übergeben – oder wir können ihn nicht übergeben“, so der Menschenrechtsbeauftragte der russischen Regierung, Wladimir Lukin.Chinas Führung hielt sich mit offiziellen Äußerungen zurück. Lediglich das Außenministerium äußerte sich „tief besorgt“ über die Enthüllungen des Geheimdienstlers. Deutlicher wurde die kommunistische Zeitung „Global Times“, die die Stimmung im Reich der Mitte auf den Punkt brachte. „Die ganze Welt profitiert von den Enthüllungen Snowdens.“Zugleich wünschte man dem Aufdecker „viel Glück in dieser schwierigen Zeit“.Der deutsche Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom riet Snowden unterdessen von einem Exil in Ecuador ab. Snowden wäre in China sicherer gewesen, wo ihn die dortigen Geheimdienste hätten schützen können.Auf dem amerikanischen Kontinent müsse Snowden hingegen damit rechnen, von den USA entführt zu werden, so der Experte.apa/afp/dpa