Interview: Karl Psenner<BR /><BR /><b> Herr Spitaler, Sie sind nun seit sechs Jahren Hauptmann der Schützenkompanie Bozen. Wenn Sie zurückblicken, was hat sich in dieser Zeit geändert?</b><BR />Roland Spitaler: Der Beginn meiner Zeit als Hauptmann war geprägt von den die Einschränkungen der Corona-Pandemie. Diese Zeit hat uns aber rückblickend kameradschaftlich geformt. Wir konnten unser Anliegen vom Ich zum Wir erfolgreich umsetzen. Es gab in dieser Zeit keine Alleingänge mehr, sondern alle Entscheidungen wurden demokratisch gefällt. Das hat zwar den Nachteil, dass eine Entscheidung etwas länger dauert, aber dann von allen mitgetragen wird. Zudem konnten die Beziehungen zu den Nachbarkompanien sowie den anderen Bozner Traditionsvereinen ausgebaut werden.<BR /><b><BR />Bekanntlich wird es immer schwieriger, junge Menschen für das Vereinsleben zu gewinnen. Wo sehen Sie die Gründe hierfür und was unternehmen Sie dagegen?</b><BR />Spitaler: Es wird heute generell schwieriger, junge Menschen dauerhaft für das Vereinsleben zu begeistern. Ein Grund ist, dass die Corona-Pandemie dem Gemeinschaftsleben vieler Vereine nicht gutgetan hat. Vieles hat sich seither verändert. Die Freizeitgestaltung ist insgesamt unverbindlicher geworden. Wir in Bozen haben noch eine besondere Situation, denn hier stellen die Italiener klar die Mehrheit. Gerade deshalb ist es für deutschsprachige Jugendliche nicht immer leicht, sich offen zu ihrer Identität, zu ihrer Heimatverbundenheit und zum Tirolertum zu bekennen. Manche fürchten, missverstanden oder ausgegrenzt zu werden, andere scheuen längerfristige Verpflichtungen. <BR /><BR /><b>Wie kann dem entgegengewirkt werden? </b><BR />Spitaler: Es ist gerade deshalb für uns so wichtig, präsent und ansprechbar zu bleiben. Wir versuchen, junge Leute über gesellige Frühschoppen, bei wichtigen Festen und vor allem über den persönlichen Kontakt auf uns aufmerksam zu machen. Wir wollen zeigen, dass die Schützen nicht nur für Brauchtum und Tradition stehen, sondern auch für Kameradschaft, Zusammenhalt und gelebte Heimatverbundenheit. Wir versuchen deshalb, mit Überzeugung junge Menschen für unsere Gemeinschaft zu gewinnen. Und deshalb sagen wir auch ganz offen: Wer Lust hat, sich bei den Bozner Schützen zu engagieren, ist bei uns herzlich willkommen. <BR /><BR /><b>Noch eine provokante Frage: Sind die Schützen heutzutage zeitgemäß? Konkret: Welche Aufgaben erledigen sie? </b><BR />Spitaler: Wenn manchmal jemand die Schützen nur als „bunten Tupfer“ oder gar als touristisches Beiwerk sieht, verkennt ihren eigentlichen Auftrag vollkommen. Unser Auftrag ist ein anderer: Wir sind ein Bollwerk des Tirolertums und stehen für die Bewahrung unserer geschichtlichen Identität, unserer Kultur, unserer Sprache und unserer Werte. In Südtirol und vor allem in Bozen haben wir besondere gesellschaftspolitische Relevanz. In einem Umfeld, in dem die deutsche Volksgruppe unter starkem Assimilationsdruck steht, braucht es Gemeinschaften, die Haltung zeigen, Heimatbewusstsein stärken und den Menschen Rückhalt geben. Zeitgemäß ist nicht, die eigenen Wurzeln zu vergessen, sondern sie bewusst zu pflegen und an die nächste Generation weiterzugeben. Wir Schützen stehen für Heimatverbundenheit, Zusammenhalt und das Bewusstsein, dass Identität keine Nebensache ist.<BR /><h3> Neugewählte Kommandantschaft</h3>Für die Schützenkompanie Bozen begann der Tag mit einem Gottesdienst in der Franziskanerkirche, zelebriert von Pater Reinald Romaner und musikalisch mitgestaltet von der Musikkapelle Zwölfmalgreien. <BR /><BR />Bei der Jahresversammlung im Kolpinghaus stellte Hauptmann Spitaler die neugewählte Kommandantschaft vor, die sich wie folgt zusammensetzt: neben Spitaler sind Oberleutnant Thomas Brandt, Fahnenleutnant Peter Thurner, Zugleutnant Martin Thurner, Fähnrich Werner Schrott, Oberjäger Peter Brachetti und Marketenderinnen-Betreuerin Cindy Reichhalter dabei. <BR /><BR />Es folgten der Bericht des Zeugwarts,, des Schießreferenten sowie die Vorschau der Kompanietätigkeit im laufenden Jahr. Zahlreiche Ehrengäste überbrachten Grußbotschaften, darunter Vizebürgermeister Stephan Konder. Mit dem Absingen der Landeshymne endete die Jahresversammlung.