Jetzt tauchen Unregelmäßigkeiten bei der Begnadigung auf, die Mattarella zum Eingreifen zwingen. Justizminister Carlo Nordio ist deswegen unter Druck geraten. Die Opposition fordert seinen Rücktritt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1306677_image" /></div> <BR /><BR />Das Ex-Model Minetti war wegen der Zuführung von Frauen zur Prostitution sowie wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder zu drei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden. Sie sollte die Strafe aber in Form von gemeinnütziger Arbeit verbüßen. Die Urteile ergingen 2019 und 2021. Die nun erfolgte Begnadigung durch Präsident Mattarella aufgrund von Unterlagen des Justizministeriums wurde mit familiären Gründen erklärt: Minetti müsse sich um einen kranken Adoptivsohn kümmern, der Behandlungen im Ausland benötige.<BR /><BR />Die Begnadigung wurde bereits im Februar gewährt, jedoch zunächst nicht öffentlich gemacht. Erst Mitte April wurde sie in den Medien bekannt. In der Öffentlichkeit stieß die Entscheidung auf deutliche Kritik: In Sozialen Netzwerken überwogen empörte Reaktionen. Am Montag kündigte Mattarella an, Justizminister Carlo Nordio mit der Prüfung der Angaben im Gnadengesuch beauftragt zu haben. Sie seien möglicherweise unzutreffend gewesen.<BR /><BR />Eine Recherche der Zeitung „Il Fatto Quotidiano“ stellt die Umstände der Adoption eines schwer kranken Kindes aus Uruguay durch Minetti und ihren Lebenspartner infrage. Demnach sollen die leiblichen Eltern noch leben; zudem habe es Unklarheiten und mögliche Unregelmäßigkeiten gegeben: Im Gnadengesuch war das Kind als bei der Geburt verlassen beschrieben worden. <BR /><BR />Laut Bericht sollen Minetti und ihr Partner jedoch rechtlich gegen die Eltern vorgegangen sein, um das Sorgerecht zu erhalten. Die leibliche Mutter des Kindes ist unterdessen verschwunden, und ihre Anwältin ist bei einem mysteriösen Unfall verbrannt. Die Zeitung bestreitet, dass das Kind Behandlungen im Ausland benötige, wie im Begnadigungsgesuch angegeben.<BR /><BR />Minetti beklagte in einem Schreiben schwere Rufschädigung udn wies den Verdacht auf intransparentes Verhalten zurück. Die Mailänder Staatsanwaltschaft erklärte, sie habe die Interpol eingeschaltet, um Unregelmäßigkeiten in Zusammenhang mit der Begnadigung nachzugehen. Der Fall droht sich negativ auf Justizminister Nordio und auf die Regierung auszuwirken. Der Minister aus den Reihen der Fratelli d'Italia, der die Begnadigung genehmigt hatte, ist ohnehin seit der Niederlage der Regierung bei dem Referendum über die Justizreform im März unter Druck.