Mittwoch, 30. September 2020

Wolf: Arge Alp fordert Gleichbehandlung

In anderen Ländern Europas ist eine Entnahme von Wölfen zum Schutz traditioneller landwirtschaftlicher Bereiche möglich. Am heutigen Mittwoch wollen die Regierungschefs der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer mit einer Resolution in Brüssel Gleichbehandlung einfordern.

Schulterschluss gegen den Wolf: Das ist in Salzburg geplant.
Badge Local
Schulterschluss gegen den Wolf: Das ist in Salzburg geplant. - Foto: © shutterstock
Die traditionelle Schafzucht auf den alpinen Almen darf nicht weniger Wert sein als die Rentierwirtschaft in Finnland. Weil im hohen Norden der Schutz des Wolfes bereits zurückgestuft wurde, fordert die Arbeitsgemeinschaft Alpenländer (Arge Alp) Gleichbehandlung. Eine dementsprechend scharfe Resolution soll am heutigen Mittwoch in Salzburg verabschiedet werden.

Das Wolfsproblem ist mittelfristig nur über die EU zu lösen, hatte Europarechtler Walter Obwexer am 11. September in den „Dolomiten“ erklärt (siehe digitale Ausgabe) – und genau dort setzt die Arge Alp heute auf der Konferenz ihrer Regierungschefs in Salzburg den Hebel an. Der Arge Alp gehören 10 Länder, Provinzen, Regionen und Kantone aus Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz mit 16 Millionen Einwohnern an. Mitglieder sind Bayern, Graubünden, Lombardei, Salzburg, St. Gallen, Tessin, Bundesland Tirol, Trentino, Vorarlberg und Südtirol, das heute von Landeshauptmann Kompatscher vertreten wird.

Die Arge Alp hat bereits vor einem Jahr eine Resolution zum Wolf verfasst. „Diese fiel aber nicht besonders scharf aus, weil es aus einigen Regionen nur laue Zustimmung gab“, so Kompatscher. Dies habe sich in der Zwischenzeit aber geändert. „Ziel ist es, heute eine klare und scharfe Resolution zu verabschieden“, so der Landeshauptmann. Zu solchen Bildern, wie in diesem Sommer in Villnöß, soll es in Zukunft nicht mehr kommen.

Einen Moment Bitte - das Video wird geladen



Gefordert werden soll darin, dass der Wolf von Anhang 4 auf Anhang 5 der EU-Habitatrichtlinie zurückgestuft wird – also von streng geschützt auf geschützt. „In Anhang 4 b sind unter anderem Tierarten wie die Gämse und der Steinbock angeführt. Diese sind aufgrund ihrer begrenzten Verbreitungsgebiete zwar von besonderem Interesse, aber regulierbar“, erklärt Agrar-Landesrat Arnold Schuler.

Als Begründung soll in der Arge-Alp-Resolution ins Feld geführt werden, dass der Wolfsbestand nicht gefährdet sei. „Vor allem aber muss eine eklatante Ungleichbehandlung aus der Welt geschafft werden“, so Kompatscher. Für 9 EU-Mitgliedsstaaten sieht die Habitat-Richtlinie bereits Ausnahmen vom strengen Wolfsschutz vor. „So ist zum Beispiel in Finnland eine Entnahme von Wölfen zum Schutz der traditionellen Rentierwirtschaft möglich. Unsere traditionelle Schafzucht auf den Almen ist aber nicht weniger wert, weshalb wir in Brüssel Gleichbehandlung fordern“, so Kompatscher.

Laut EU-Recht müssten alle Mitgliedstaaten nach dem selben Maß gemessen werden. Es gebe aber viel Überzeugungsarbeit zu leisten. So sei das jüngste Referendum gegen den Wolf in Schweiz in ländlichen Gebieten auf breite Zustimmung gestoßen, aber am Nein aus Zürich gescheitert.

Schulterschluss gegen Corona


In Salzburg feilen die Arge-Alp-Regierungschefs auch an einem Schulterschluss gegen Corona. „Sollte es Engpässe bei der ärztlichen Versorgung oder Intensivbetten geben, wollen wir uns gegenseitig unterstützen“, sagt Kompatscher. Gefeilt wird zudem an einer gemeinsamen Strategie zum Umgang mit Corona im Wintertourismus. „Schließlich steht die Skisaison schon vor der Tür“, gibt Landeshauptmann Kompatscher zu bedenken.

bv

Schlagwörter: