Mittwoch, 27. April 2022

Wolf-Entnahme: Neuer Anlauf in Rom

In Rom wird wieder der staatliche Wolfsplan aufs politische Tapet gebracht, und das Land Südtirol startet nun einen neuen Versuch, um endlich grünes Licht für die Entnahme von Problemwölfen zu bekommen.

Wölfe haben heuer im Pustertal bereits wieder Schafe gerissen. Landesrat Schuler bemüht sich in Rom weiterhin um die Möglichkeit der Entnahme. Der staatliche Wolfsplan wird neu diskutiert. - Foto: © Shutterstock

Die Vorzeichen stehen jetzt besser als unter dem früheren Umweltminister Sergio Costa – darin sind sich Landesrat Arnold Schuler und Jagdverbands-Direktor Benedikt Terzer einig. Denn mit dem neuen Umweltminister Roberto Cingolani habe man es jetzt mit einem „Techniker“ zu tun. „Mit Cingolani hat man sicherlich einen großen Qualitätssprung gemacht im Vergleich zu Costa, der das Thema Wolf nicht durch die Brille der Wildbiologie, sondern der Ideologie betrachtet hat“, meint Terzer.

Landesrat Schuler stellte kürzlich in Rom einmal mehr klar, dass nur ein Wolfsmanagement-Plan zielführend sein – und nicht ein Plan zur Erhaltung des Wolfes. „Wenn man von Management spricht, dann muss auch die Möglichkeit der Entnahme enthalten sein“, betont der Landesrat. Die Entnahme sei in den bisherigen Wolfsplan-Entwürfen nicht vorgesehen gewesen, es gab darüber keine Einigung, berichtet Schuler. Der neue Wolfsplan soll nun in der Agrarkommission in Rom diskutiert werden. Grundsätzlich zuständig bleibt aber die Umweltkommission, erklärt Schuler. „Hier überschneiden sich die Zuständigkeiten.“

Mehr Regionen als früher für Entnahme

Umweltminister Cingolani und Unterstaatssekretärin Vannia Gava hätten jedenfalls angekündigt, eine Lösung zu finden. Inzwischen seien wesentlich mehr Regionen als früher für eine Entnahme von Großraubwild wie dem Wolf, meint der Landesrat. Hauptthema bei den Sitzungen in Rom seien derzeit aber die Wildschweine. „Diese sind zu einer absoluten Plage geworden“, berichtet Schuler. In manchen Regionen herrsche Verzweiflung. Zudem gebe es immer mehr Unfälle mit Wildschweinen, manche sogar mit tödlichem Ausgang.

„Hemmschuh: Einhelligkeit“

Jagdverbands-Direktor Terzer bleibt in punkto Wolf skeptisch. „Das Problem ist leider Gottes, dass in der Staat-Regionen-Konferenz die Beschlüsse – wie auch jene zum Wolfsplan – mit Einhelligkeit getroffen werden müssen. Das ist der große Hemmschuh. Es gibt nach wie vor Regionen, die absolut der Meinung sind, es sei besser, dass kein Wolf legal entnommen wird. De facto stimmen diese Regionen der Selbstjustiz zu. Denn in vielen Regionen ist dies die Realität: Offiziell sagt niemand etwas, aber hinter vorgehaltener Hand weiß man, dass die Wölfe vergiftet oder auf andere Weise verfolgt werden. Jene Regionen, die dies nicht wollen und die hingegen für ein legales System sind, sind leider immer noch nicht so stark, um alle anderen auf ihre Seite zu ziehen“, meint Terzer.

Viel hänge jetzt von Minister Cingolani ab. „Cingolani soll bereits gesagt haben: ‚Wenn die Franzosen einen Wolfsplan haben und Entnahmen durchführen, warum soll dies für Italien nicht möglich sein?’Und da hat er natürlich vollkommen recht“, betont Terzer. „Nun wird sich zeigen, ob Cingolani tatsächlich so denkt. Dann dürfen wir darauf gespannt sein, was die Staat-Regionen-Konferenz beschließen wird. Der Wolfsplan muss von der Staat-Regionen-Konferenz abgesegnet werden. Dieser Plan ist das rechtliche Korsett. Die Entnahmen würden dann auf der Grundlage dieses Planes stattfinden. Für Südtirol würde das Landesgesetz von 2018 gelten, welches besagt, dass die Entnahmen von Bär und Wolf vom Landeshauptmann freigegeben werden. In anderen Regionen müsste hingegen der Umweltminister die Freigabe erteilen“, so Terzer.

Wölfe haben im Pustertal heuer bereits mehrere Schafe gerissen – in Gsies wurden nun 2 Wölfe dabei gefilmt, wie sie über die Wiese laufen.

hof

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Hermann Zanier
27. April 2022 13:29
gibt es keine netteren Bilder vom Wolf?