Freitag, 03. März 2017

Zeller: „Mit so was kann man leicht Stimmung machen“

102 Senatoren haben diese Woche einen Akademiker-Appell unterzeichnet, der sich für den Erhalt der italienischen Ortsnamen in Südtirol stark macht. Südtirol Online hat mit Karl Zeller über den Politiker-Protest gesprochen.

"Die werden alles versuchen", sagt Karl Zeller.
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"Die werden alles versuchen", sagt Karl Zeller.

Südtirol Online: Senator Zeller, was ist denn da los in Rom?
Karl Zeller: Senator Giovanardi (Carlo Giovanardi gehört zur Mitte-Rechts-Partei Grandi Autonomie e Libertà, Anm d. R.) hat am Dienstag im Parlament eine Unterschriftenaktion in dieser Sache gestartet. Wahrscheinlich auf Veranlassung der Südtiroler Mitte-Rechts-Parteien. Ich kann mir vorstellen, dass der Landtagsabgeordnete Alessandro Urzì daran beteiligt war. Giovanardi reitet ja schon immer das Toponomastikthema.

Der Kern seiner Aktion lautet: Die tolomeische Toponomastik ist keine faschistische, sondern eine italienische. Deswegen müssten alle Tolomei-Namen bleiben, egal, ob sie im Gebrauch sind oder nicht. Unglaubliche Behauptungen…

STOL: Sie gelten ja als sehr guter Netzwerker, haben Sie da im Vorfeld nichts läuten hören?
Zeller: Giovanardi hat versucht, das hinter meinem Rücken zu machen. Am Dienstag habe ich dann Wind von der Sache bekommen und sofort Gegenmaßnahmen ergriffen. Senator Francesco Palermo und ich haben allen Fraktionssprechern geschrieben und die Sachlage dargelegt. Wir haben klar gemacht, dass es sich um eine völlige Desinformation handelt. Hätte ich das nicht gemacht, hätten noch viel mehr unterschrieben.

STOL: Wie kann es sein, dass so viele Senatoren - und zwar aus allen politischen Lagern - unterschrieben haben?
Zeller: Wenn Sie ins italienische Parlament gehen und den Senatoren vorgaukeln, dass in Südtirol die italienischen Ortsnamen verschwinden, dann ist das ein großer Anreiz für jeden zu unterschreiben. Mit so etwas kann man natürlich leicht Stimmung machen. Unsere Botschaft ist da etwas komplexer.

STOL: Und wie geht es nun weiter mit der Durchführungsbestimmung?
Zeller: Am 8. März steht die Entscheidung an, da findet in der Sechserkommission die definitive Abstimmung statt. Stellt sich die Frage, ob nicht bis zum 8. März ein paar Leute kalte Füße kriegen…

Wenn sich die Kommission für die Namenslisten ausspricht, dann wird es sicher richtig rund gehen. Die Gegner des Vorschlages werden den Staatspräsidenten bombardieren, sie werden den Ministerpräsidenten bombardieren, sie werden den Punkt im Parlament einbringen. Die werden alles versuchen.

Interview: Andrej Werth

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Fällt die Abstimmung in der Sechserkommission zugunsten der Namensliste aus, dann wird der Vorschlag zunächst im Innen- und Regionenministerium begutachtet. Anschließend wird er dem Ministerrat, später dem Staatspräsidenten vorgelegt.

stol