Mittwoch, 21. Juni 2017

Zingerle und die Rückkehr der Freiheitlichen Jugend

In den vergangenen Monaten ging es bei den Freiheitlichen laut zu. Bei allen Freiheitlichen? Nein, um die Jugend ist es ruhig geworden. Das soll sich nun wieder ändern. Hannes Zingerle soll's richten.

Am Mittwoch wurde Hannes Zingerle als neuer Freiheitlicher Jugendkoordinator vorgestellt. - Foto: DLife
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Am Mittwoch wurde Hannes Zingerle als neuer Freiheitlicher Jugendkoordinator vorgestellt. - Foto: DLife

Hannes Zingerle, Landtagsabgeordneter und seit Mittwoch Jugendkoordinator, ist kein Newcomer in der blauen Jugendarbeit. Er war zunächst Michael Demanegas Stellvertreter, der erste Jugendsprecher der Blauen. Später dann sein Nachfolger. Am Mittwoch kehrte Zingerle, der vor einigen Monaten zu den Freiheitlichen zurückfand, auch zur Jugend zurück. Er soll sie wieder aufbauen.

Südtirol Online: Herr Zingerle, schaut man sich die Freiheitlichen-Webseite an, so findet man einiges, nur die Jugend nicht…

Hannes Zingerle, Freiheitlicher Jugendkoordinator: Das stimmt. Seit 2, 3 Jahren fehlt es an Struktur, obwohl es ganz viele junge Mitglieder gibt. Einzelne haben sich letzthin auch bemüht, wieder aktiver zu werden.

STOL: Seit Mittwoch sind Sie Jugendkoordinator. Welche Aufgabe haben Sie?

Zingerle: Meine Aufgabe ist es, die Jugend wieder zu sammeln, sie wieder an einen Tisch zu bringen. Gemeinsam gilt es dann, Ziele und ein Programm zu erarbeiten. Als Koordinator möchte ich auch ein Bindeglied zwischen Parteispitze, Abgeordneten und Jugend sein.

STOL: Die Partei war als junge Partei bekannt. Wo sind denn die vielen motivierten Jugendlichen geblieben?

Zingerle: Die Freiheitlichen sind nach wie vor eine junge Partei. Als ich vor einigen Jahren als Jugendsprecher aus dem Vorstand ausgetreten bin, ist in der Jugendarbeit nicht mehr viel passiert.

STOL: Das kann doch nicht ausschließlich an Ihrem Rücktritt liegen?

Zingerle: Nein, das ist auch durch die verschiedenen politischen Geschichtln und Skandale bedingt. Da hat sich die Jugend parteiübergreifend von der Politik wieder abgewandt.

STOL: Auch von den Freiheitlichen…

Zingerle: Allgemein. Aber durch den Wechsel an der Spitze und vielleicht durch mein Nachrücken in den Landtag als jüngster Abgeordneter spürt man bei der Jugend schon auch wieder einen frischen Wind und Motivation. Wir sind auf einem guten Weg, der Jugend wieder Struktur, Plattform und Gesicht zu geben.

STOL: Wann wird es bei den Jungen Freiheitlichen Wahlen geben?

Zingerle: Das geht natürlich nicht Knall auf Fall. Ich hoffe aber, dass wir in anderthalb bis 2 Jahren einen Jugendparteitag abhalten können, wo die Jugend dann ihren Sprecher wählt.

STOL: Was brennt den Jugendlichen denn zurzeit unter den Nägeln?

Zingerle: Das zu erfahren bin ich gespannt. Heute haben wir den Startschuss gegeben. Und dann wird man sehen, welche Themen genannt werden.

STOL: Eine Prognose?

Zingerle: Ich kann Ihnen sagen, was meine Themen in der Vergangenheit waren. Etwa die Schule. Es darf nicht sein, dass man von manchen Lehrpersonen benachteiligt wird, wenn man sich als Schüler, seine Meinung zu sagen traut.

STOL: Heißt?

Zingerle: Es kann nicht sein, dass Schüler eine Erörterung verbessert zurückbekommen, mit dem Hinweis, das wären Pius-Leitner-Parolen und nicht die eigene Meinung. Und dann kriegen sie eine negative Note oder so. So weit darf es nicht kommen. Hier geht es um die Meinungsfreiheit in den Schulen, die unbedingt gewährleistet sein muss.
Ein anderes Thema ist die Sicherheit beim Ausgehen. Immer mehr Jugendliche sind nachts mit Angst unterwegs, da muss man verstärkt ein Auge darauf werfen.

STOL: Zu Demanegas Zeiten gab es auch die ein oder andere „gewürztere“ Pressemitteilung. Können wir uns wieder auf einen etwas schärferen Ton einstellen?

Zingerle: Der Michael Demanega war eigentlich nicht so der laute Typ. Der neue Obmann (Andreas Leiter-Reber, Anm. d. R.) meint, dass die Jugend etwas frecher sein kann als die Partei. Das Motto der Freiheitlichen war ja immer: Frisch, frech, freiheitlich.

STOL: Auf Facebook war die Freiheitliche Jugend aber weiterhin aktiv. Etwa am 3. Juni, dem Tag nach dem Terroralarm bei Rock am Ring. Da liest man auf der FJ-Seite: „Europa im Jahr 2017, vor 3 Jahren war das noch undenkbar. Danke Merkel und co. das ihr unsre Freiheit, Leben und Gesundheit auf dem Altar der Globalisierung opfert.“ Wie soll man das einordnen?

Zingerle: Da bin ich jetzt der falsche Ansprechpartner. Ich war ja in der vergangenen Zeit nicht mehr in der Jugend involviert und ich betreue auch die Facebook-Seite nicht. In der vergangenen Zeit war alles etwas lose…
Ich kenne den Post auch nicht, deswegen tue ich mich schwer, mich dazu zu äußern.

STOL: Andere Frage, wird die Freiheitliche Jugend mit anderen politischen Jugendorganisationen zusammenarbeiten?

Zingerle: Mir ist es wichtig, die bestehenden Kontakte zur FPÖ auszubauen. Etwa zur FPÖ Tirol. Da soll es wieder mehr Austausch geben. Aber auch mit der FPÖ auf Bundesebene.

STOL: Und innerhalb der Landesgrenzen?

Zingerle: Reden und diskutieren kann man mit allen. Das gab es auch schon in der Vergangenheit. Gewisse Thematiken teilen wir ja mit anderen Parteien. Aber um über eine konkrete Zusammenarbeit zu sprechen, dafür ist es noch zu früh. In erster Linie müssen wir jetzt mal unsere Infrastruktur festigen.

Interview: Andrej Werth

stol