Nach einem heftigen Wortwechsel zwischen einigen Landtagsabgeordneten wurde die Sitzung für eine Beratung unter den Fraktionssprechern unterbrochen.Die Freiheitlichen hatten am Vormittag die Übernahme der Zuständigkeit für die Einwanderung gefordert, die Landesregierung solle diesbezüglich mit Rom Kontakt aufnehmen. Die heftige DebattePius Leitner (Freiheitliche) warf in diesem Zusammenhang der Landesregierung eine Vogel-Strauß-Politik vor, man müsse rechtzeitig die Weichen stellen, forderte er. In Südtirol gebe es bereits 5.000 Muslime, was der Einwohnerzahl von Klausen entspreche. Man solle sich nicht dauernd auf europäische Vorgaben hinausreden, denn die Einwanderungspolitik Europas sei ebenso verfehlt. Bereits hier wurde die Debatte durch einen Wortwechsel mit SVP-Fraktionssprecher Elmar Pichler Rolle über extremistische Einzeltäter und den Einfluss der radikalen Parteien unterbrochen.Julia Unterberger (SVP) bezeichnete die Argumentation Leitners als konfus. Er verlange Dinge, die auch eine Vollautonomie nicht bieten könnte. Auch mit anderen Gesetzen könne Südtirol nicht mehr tun als Fini und Bossi. Die Freiheitlichen wollten nur niedere Instinkte wecken. Im Unterschied zu den Freiheitlichen spreche sie keine persönlichen Beleidigungen aus, erklärte Unterberger.Leitner verwahrte sich gegen den Vorwurf der Dummheit vonseiten Unterbergers. Es gebe Gott sei Dank neben so vielen Intellektuellen auch ein paar Intelligente.Es sei klar, dass eine Vollautonomie die Zuständigkeit für Einwanderung nicht bieten könne, aber die Freiheitlichen würden ja den Freistaat fordern, erklärte Thomas Egger (Freiheitliche). Er lasse sich nicht als Ausländerfeind bezeichnen, worauf ein heftiger Wortwechsel mit Pichler Rolle folgte. Anschließend zitierte Egger aus dem Wahlprogramm des mittlerweile aus dem Landtag ausgeschiedenen Abgeordneten Christian Egartner (SVP), das jene Positionen enthalte, die von manchen immer als ausländerfeindlich hingestellt würden, so der Landtagsabgeordnete der Freiheitlichen.Martha Stocker (SVP) appellierte schließlich angesichts der emotional geführten Debatte an alle, wieder zur Sachlichkeit zurückzukehren.Alessandro Urzì (FLI) sprach sich gegen den Vorschlag der Freiheitlichen aus, bei der Einwanderung Kompetenzen von Rom einzufordern. Das Problem könne nicht durch Verschiebung der Kompetenzen gelöst werden. Urzì warnte vor dem Einsatz von Emotionen bei diesem schwierigen Thema, man komme dadurch leicht zu falschen Schlussfolgerungen. Die heutige Debatte sei von Rassismus durchtränkt, auch wenn es mancher nicht zugeben wolle, erklärte der FLI-Abgeordnete.Donato Seppi (Unitalia) verwehrte sich in seiner Wortmeldung gegen den Vorwurf des Rassismus und erklärte seine Zustimmung zum Antrag der Freiheitlichen. Das Ziel der Muslime sei es, auf den Bozner Dom den Halbmond zu setzen. Landesrat Roberto Bizzo, der behaupte, dass es die Ausländer brauche, argumentiere wie ein Sklavenhalter.Er habe die Ausländer als wichtigen Teil der Südtiroler Gesellschaft bezeichnet, und das sei etwas anderes, antwortete Bizzo. Die Rechte müsse sich fragen, ob sie Südtirol in ein Entwicklungsland verwandeln wolle, wenn sie auf die Mithilfe der Einwanderer verzichten wolle.Der folgende Wortwechsel zwischen mehreren Abgeordneten veranlasste Elmar Pichler Rolle, eine Unterbrechung und eine Sitzung der Fraktionssprecher und des Landtagspräsidiums zu beantragen. Nach einer Unterbrechung der Sitzung durch Landtagspräsident Mauro Minniti führte der Landtag die Debatte weiter.Minniti erklärte die morgendlichen Vorfälle für bedauerlich und dass er auf die Einhaltung der Geschäftsordnung achten werde.Der Antrag der Freiheitlichen wurde am Nachmittag schließlich vom Landtag mehrheitlich abgelehnt.