Sonntag, 26. September 2021

Zum Welttag der Gehörlosen: Für barrierefreie Kommunikation

Zum Internationalen Tag der Gehörlosen sagt Michela Morandini, Vorsitzende des Südtiroler Monitoringausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen: „Die Anerkennung der italienischen Gebärdensprache ist eine wichtige Errungenschaft, für Südtirol braucht es nun die Anerkennung der Gebärdensprache der deutschsprachigen Menschen mit Hörschädigung.“

Die Corona-Krise hat es gehörlosen Menschen erschwert, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen – etwa, weil die Maskenpflicht das Lippenlesen teilweise unmöglich macht. - Foto: © dpa-tmn / Alexander Heinl

Am 26. September ist internationaler Tag der Gehörlosen. Der Aktionstag findet jährlich am letzten Sonntag im September statt. Er wurde 1951 mit der Gründung des internationalen Gehörlosenverbandes ins Leben gerufen, der heuer sein 70-jähirges Jubiläum feiert.

Michela Morandini


Der Aktionstag soll auf die Situation der Menschen mit Hörschädigung weltweit aufmerksam machen und zur Förderung eines vollen, gleichberechtigten und hochwertigen Zugangs zu allen Aspekten des Lebens für Menschen mit Hörschädigung aufrufen.

300 Gehörlose in Südtirol

Weltweit sind laut Weltgesundheitsorganisation mehr als 430 Millionen Menschen von einer Hörbeeinträchtigung betroffen, davon 34 Millionen Kinder. Stand 2020 sind in Südtirol ungefähr 300 Menschen gehörlos.
Seit 1958 ist der Aktionstag Teil der internationalen Woche der Gehörlosen, die heuer vom 20. bis 26. September unter dem Motto „Gedeihende Gehörlosengemeinschaften feiern“ begangen wird. An jedem der 7 Tage ist einer von mehreren Themenbereichen in den Vordergrund gestanden.

Mittelpunkt des heurigen internationalen Tages der Gehörlosen ist das Thema „Menschenrechte in Zeiten von Krisen“. Der internationale Gehörlosenverband möchte damit die Aufmerksamkeit auf die Wahrung und Sicherung der Menschenrechte aller Menschen mit Hörschädigung in verschiedenen Krisensituationen lenken, darunter die Corona-Pandemie, der Klimawandel, Naturkatastrophen und bewaffnete Konflikte.

Lippenlesen durch Masken unmöglich

In Südtirol hat die Corona-Krise bereits bestehende Barrieren verschärft. Insbesondere hat die Pandemie den Zugang zu Information und Kommunikation für Menschen mit Hörschädigung in manchen Phasen erheblich erschwert. So waren z. B. die Informationen zur Corona-Krise vor allem anfangs nicht in Gebärdensprache verfügbar und somit für viele Hörgeschädigte nicht zugänglich. Ebenso hat die Einführung der Maskenpflicht das Lippenlesen, das Menschen mit Hörschädigung brauchen, um einer sprechenden Person gut folgen zu können, beinahe unmöglich gemacht.

Diese Hindernisse wurden zwar durch die Bereitstellung einer Videointerpretation in Gebärdensprache der Landesmedienkonferenzen zur Corona-Krise und durch die Befreiung von der allgemeinen Maskenpflicht für Personen mit Behinderungen teilweise beseitigt, doch sind nach wie vor Information und Kommunikation nicht immer in Formaten verfügbar, die für Menschen mit Hörschädigung zugänglich sind.

Italienische Gebärdensprache seit 19. Mai anerkannt

Ein wesentlicher Schritt in Richtung barrierefreie Kommunikation wurde am 19. Mai in Italien gesetzt. An diesem Tag wurde nach jahrzehntelangem Einsatz verschiedener Gehörlosenorganisationen die italienische Gebärdensprache gesetzlich anerkannt.

„Die Anerkennung der italienischen Gebärdensprache ist eine wichtige Errungenschaft, die wir als Monitoringausschuss sehr begrüßen. Für Südtirol gilt es nun, die Anerkennung der Gebärdensprache der deutschsprachigen Menschen mit Hörschädigung in Südtirol anzustreben und so Barrieren in der Information und Kommunikation zu beseitigen und Inklusion und Teilhabe zu gewährleisten“, so die Vorsitzende des Südtiroler Monitoringausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, Michela Morandini.

lpa/stol

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