Nach Beobachtungen von Reuters-Journalisten wurden mindestens zehn Menschen verletzt. Obwohl die Armee zur Beendigung der Massenproteste aufrief, hielt die Opposition an einer weiteren Großkundgebung am Freitag fest. Die rivalisierenden Gruppen auf dem Tahrir-Platz gingen mit Steinen, Knüppeln und Eisenstangen aufeinander los. Die Gefolgsleute Mubaraks ritten zum Teil auf Pferden und Kamelen auf den Platz. Einige der Schlägertrupps, die mit den etwa 4.000 Mubarak-Anhängern aus verschiedenen Straßen auf den Platz stürmten, hatten nach Angaben von Augenzeugen auch Messer dabei. Die Regimegegner waren aber in der Überzahl. Einige Verletzte bluteten am Kopf. Rings um den Platz, der seit Tagen ein zentraler Ort der Massenproteste gegen die ägyptische Führung ist, standen Panzer der Armee. Die Soldaten griffen jedoch vorerst nicht ein, obwohl Oppositionsanhänger sie dazu aufforderten. Nach Angaben von drei regierungskritischen Gruppen drangen auch Polizisten in Zivil auf den zentralen Tahrir-Platz vor.Angesichts der Massenproteste leitete Mubarak die versprochene Verfassungsreform in die Wege: Dabei geht es vor allem um einen Paragrafen, der es unabhängigen Kandidaten bisher praktisch unmöglich macht, für das Amt der Präsidenten anzutreten. Die Änderung dieser Regelung war vor Beginn der Protestaktionen vor einer Woche eine der wichtigsten Forderungen der Opposition gewesen. Jetzt, wo sich die außerparlamentarische Opposition zu einer Massenbewegung entwickelt hat, erwarten ihre führenden Köpfe jedoch noch weitere, radikalere Reformen.Die Verfassungsänderung sollte offenbar das gegenwärtige regimetreue Parlament durchziehen. Allerdings sind Parlamentssitzungen in Ägypten „bis auf weiteres“ ausgesetzt, bis das Ergebnis der Wahl vom Dezember überprüft wurde, wie die staatliche Nachrichtenagentur Mena meldete. Die Opposition hatte Betrugsvorwürfe erhoben und den zweiten Wahlgang großteils boykottiert. Das Ergebnis des Prüfungsverfahrens könnte die aktuelle Zusammensetzung des Parlaments deutlich verändern.Die Demonstranten sollten nach Hause zurückkehren, um die Rückkehr zu Sicherheit und Stabilität im Land zu ermöglichen, hieß es am neunten Tag der Massenproteste gegen die Herrschaft von Präsident Mubarak in einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung der Armee. Die Forderungen der Demonstranten seien nun bekannt. Gleichzeitig versicherte die Armee der rebellischen Jugend aber ihren Schutz. Am „Freitag des Abgangs“ soll nach Angaben von Oppositionellen trotzdem eine weitere Massenkundgebung stattfinden. Am Dienstag hatte der führende Oppositionelle und Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei Mubarak aufgerufen, bis „spätestens Freitag“ zurückzutreten.Das Militär hatte sich beim „Marsch der Millionen“ am gestrigen Dienstag an seine Zusage gehalten, keine Gewalt gegen friedliche Demonstranten einzusetzen, deren Forderungen legitim seien. Präsident Mubarak hatte am Vortag erklärt, er verzichte auf eine weitere Amtszeit. Einen sofortigen Rücktritt lehnt er trotz der Massenproteste aber ab. Die Reaktion der Demonstranten darauf war geteilt: Während einige damit zufrieden sind, halten andere an ihrer Forderung nach einem sofortigen Rücktritt Mubaraks fest.Die internationale Unterstützung für Mubarak, der sich jahrelang erfolgreich als Bollwerk gegen den Islamismus angepriesen hatte, ist in den vergangenen Tagen dramatisch geschwunden. Ermunterung kam lediglich von Saudi-Arabien, dem nach Einschätzung einiger Experten wie in anderen arabischen Staaten ebenfalls eine Volkserhebung droht.Das Internet funktionierte am Mittwochvormittag in Ägypten teilweise wieder. In Kairo gelang der Zugang zum Netz über einen ägyptischen Server. Zuvor waren die Internetverbindungen mehrere Tage lang unterbrochen gewesen. Wie das Staatsfernsehen berichtete, wurde außerdem die Ausgangssperre in Kairo und anderen Städten gelockert.apa/reuters/afp/dpa