Sonntag, 31. März 2019

Zuzana Caputova zur Präsidentin der Slowakei gewählt

Die Kandidatin der neugegründeten liberalen politischen Partei Progessive Slowakei (PS) Zuzana Caputova hat ihre Favoritenrolle auch in der entscheidenden zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen bestätigt. Nach Auszählung von 96,78 Prozent der Stimmen lag die 45-Jährige in der Nacht auf Sonntag mit 58,27 Prozent deutlich vor dem langjährigen Europapolitiker Maros Sefcovic mit 41,72 Prozent.

Zuzana Caputova wird slowakische Präsidentin. - Foto: APA (AFP)
Zuzana Caputova wird slowakische Präsidentin. - Foto: APA (AFP)

Kurz nach Mitternacht gab Sefcovic bereits seine Niederlage zu. Er habe mit der neuen Präsidentin telefoniert und auch Blumen geschickt, als „erste Frau an der Spitze des Staates hat sie diese verdient”, sagte er in einer ersten Reaktion. Ab der heutigen Nacht liege auch viel Verantwortung bei ihr, denn der Slowakei stünden Zeiten bevor, in denen eine Vereinigung des Landes notwendig sei, erklärte Sefcovic.

Die neu gewählte Präsidentin bedankte sich bei ihren Wählern erneut auch in den Minderheitensprachen der Slowakei. „Ich werde auch mit ihnen sein, deren Vertrauen ich noch nicht gewonnen habe. Ich werde mich um sie bei der Ausübung meines Mandats bemühen”, sagte sie. Die Slowakei verlange Veränderungen. „Wir dachten, der Damm zwischen Konservativem und Liberalem sei nicht zu versöhnen, wir haben ihn aber überbrücken können”, erklärte Caputova.

Die 45-jährige Liberale hatte vor der Stichwahl die bessere Startposition. In der entscheidenden Wahlrunde, ausgetragen zwischen den zwei Bestplatzierten des ersten Wahldurchgangs, ging sie mit einem markanten Vorsprung von über 20 Prozent aus dem ersten Durchgang gegenüber dem renommierten EU-Kommissar. Trotz ihrer liberalen Ansichten in der Familienpolitik konnte sie auch bei konservativen und christlichen Wählerkreisen gut punkten.

Der 52-jährige parteilose Karrierediplomat, aufgestellt von der stärksten Regierungspartei Smer (Richtung) von Ex-Premier Robert Fico, schaffte es nicht mehr, dieses Manko auszumerzen. Vor der Abstimmung hatte er noch versucht, Nichtwähler und Anhänger rechtsextremer und rechtspopulistischer Kandidaten, die im ersten Durchgang durchgefallen waren, zu gewinnen.

Diese sind aber sichtlich nicht zu den Wahlurnen gekommen, mit nur 41 Prozent lag die Wahlbeteiligung am Samstag deutlich unter der ersten Runde. Keiner der beiden Finalisten mit ihrer eindeutig proeuropäischen und prowestlichen Ausrichtung war für sie annehmbar.

Der Sieg von Caputova wurde zwar allgemein erwartet, dennoch gilt er als eine Sensation. Das weitgehend konservativ und christlich geprägte Land wird erstmals in seiner Geschichte eine Frau zur Präsidentin bekommen, was vor wenigen Monaten noch unmöglich schien. „Wir sind in ein Stadium gekommen, in dem das Gesamtbild eines Kandidaten entscheidet und nicht dessen Geschlecht”, kommentierte der bekannte Publizist Marian Lesko in der Wahlnacht für den TV-Sender Markiza. Ersten Einschätzungen nach dürfte Sefcovic die Rückkehr nach Brüssel einem Wechsel in die slowakische Politik vorziehen.

Caputova will als Präsidentin der Slowakei wie ihr parteiloser Vorgänger Andrej Kiska eine „klar pro-europäische Position” vertreten. Dies kündigte die erfolgreiche Kandidatin der neugegründeten Partei Progessive Slowakei an.

Die vor zehn Jahren als Umweltaktivistin im Kampf gegen eine Mülldeponie erstmals politisch aktiv gewordene Caputova betonte dies auch nach ihrem Sieg neuerlich: „Ich freue mich nicht nur über diesen Wahlsieg, sondern auch über die Art, wie er gelungen ist: Wir haben gezeigt, dass man nicht ein populistisches und aggressives Vokabular verwenden muss, um erfolgreich zu sein.”

Mit den Vertretern der sozialdemokratisch geführten Regierung von Regierungschef Peter Pellegrini erwarte sie eine „konstruktive Zusammenarbeit”, sagte die Wahlsiegerin. In den nächsten Tagen wolle sie sich mit Vertretern der Regierung treffen, um die Zusammenarbeit zu besprechen, kündigte sie an.

apa

stol