Die Süd-Tiroler Freiheit ruft gar die SVP-Mitglieder zum Austritt auf. Doch es gibt auch andere Stimmen: „Die Völkerrechtliche Absicherung der Sitze im Abgeordnetenhaus war noch nie so greifbar“, hält Siegfried Brugger dagegen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1337136_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />„Es ist nicht das erste Mal, dass das Unterland für das Südtiroler Gesamtinteresse und das der SVP den Kopf herhalten muss“, wettert Oswald Schiefer, Unterlandler SVP-Urgestein. Einmal mehr lasse die Partei einen kleinen Bezirk spüren, wer „Herr im Haus“ sei. „So wird es jedenfalls im Unterland empfunden“, sagt ein enttäuschter Oswald Schiefer.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1337139_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Von einem Kuhhandel spricht auch Paul Köllensperger (Team K). Für den Landtagsabgeordneten steht fest: „Hier schenkt die SVP Alessandro Urzì einen sicheren Senatssitz und bekommt dafür alle restlichen römischen Mandate auf dem Silbertablett“. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1337142_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />„Es ist ein Kuhhandel und selbst für die SVP ein neuer Tiefpunkt“, schreibt Stefan Zelger von der Bezirksgruppe Unterland/Überetsch der Süd-Tiroler Freiheit. Und „wie schon zur Zeit des Faschismus wird das Unterland geopfert“ und zwar in einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“. Zelger spricht vom „x-ten Kniefall vor Urzì“ und kritisiert: „Der SVP geht es nicht um Südtirol, sondern nur um den eigenen Machterhalt. „Spätestens jetzt kann kein aufrechter Unterlandler mehr bei der SVP bleiben“, schreibt Stefan Zelger und ruft die SVP-Mitglieder im Unterland auf, ihrer Partei den Rücken zu kehren.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1337145_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Regelrecht entsetzt zeigt sich Landtagsabgeordnete der Grünen, Brigitte Foppa. Was Urzì mit dem Wahlkreis Bozen-Unterland mache, nennt sie „eine politische Schweinerei“. Und die Südtiroler Volkspartei lasse es geschehen. Der Senatskreis im Süden sei bisher der einzige Ort gewesen, „wo es in Südtirol noch echte Wahlen für das Parlament gab“: „Damit soll nun offensichtlich Schluss sein. Urzì zieht eine neue Grenze, und es ist eine ethnische Grenze. (...) Das ist ein Schaden an der Demokratie. Und der ist nicht wieder gutzumachen“.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1337148_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Auch innerhalb der SVP gibt es Kritik. Der Trudner Bürgermeister Michael Epp reagiert in einem Offenen Brief an die Parteispitze „mit großer Besorgnis und wachsendem Unverständnis“: „Wieder einmal zeigt sich, dass der scheinbar so verlässliche und kompromissbereite Koalitionspartner bereit ist, an den Grundsäulen unserer Autonomie zu rütteln“, findet er und stellt seiner Partei die Rute ins Fenster: Sollte sie nicht gegen eine Änderung des Wahlkreises Bozen/Unterland Stellung beziehen, „sehe ich für mich keine Grundlage mehr, meine Funktion in der Bezirksleitung der SVP Unterland weiter auszuüben“.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1337151_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />SVP-Senatorin Julia Unterberger hat hingegen Verständnis für die Kollegen in der Kammer: „Dass ein postfaschistischer Politiker einen völkerrechtlich abgesicherten Wahlkreis im Alleingang zusammenstutzt, um die eigenen Wahlchancen zu erhöhen ist natürlich eine Zumutung.“ Doch die Handlungsoptionen der Volkspartei seien begrenzt, die Regierungsmehrheit hätte den Passus in jedem Fall durchgedrückt. Und „schlussendlich ist die Gegenforderung eine der wenigen Optionen, die wir haben.“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1337154_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Der ehemalige SVP-Obmann und -Kammerabgeordnete Siegfried Brugger mahnt zur Sachlichkeit, auch wenn der Frust im Unterland mehr als verständlich sei. Andererseits sei jedoch d , sagt er. „Als Parlamentarier Südtirols findet man sich oft in einer Lage wieder, in der man nicht die besten Karten hat. Umso mehr anerkenne ich, dass die derzeit Verantwortlichen die Interessen Südtirols nach bestem Wissen und Gewissen vertreten“, lobt Brugger <BR /><div class="img-embed"><embed id="1337157_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Südtirols Schützen lassen sich davon nicht beschwichtigen: „Es ist nicht hinnehmbar, ein historisch, kulturell und gesellschaftlich zusammengehörendes Gebiet zu trennen, um einzelnen Parteien oder Kandidaten bessere Wahlchancen zu verschaffen. Wahlkreisgrenzen dürfen weder maßgeschneidert noch zum Gegenstand parteipolitischer Absprachen gemacht werden. Der Grundsatz, dass jede Stimme möglichst gleich viel zählen soll, wird durch derartige künstliche Wahlkreiszuschnitte zusätzlich infrage gestellt“, tobt Kommandant Christoph Schmid. Er appelliert an die SVP die Neueinteilung im weiteren parlamentarischen Verfahren nicht mitzutragen: .„Wir erwarten eine klare und entschlossene Ablehnung jeder Wahlkreisänderung, die zulasten des Unterlandes geht.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1337160_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Für die Freiheitlichen meldet sich Ehrenobmann Pius Leitner zu Wort. Er mahnt: „Wahlkreise dürfen nicht nach parteipolitischen Interessen zugeschnitten werden.“ Alle Versuche, sich durch ein Wahlgesetz politische Mitbewerber vom Hals zu halten, seien undemokratisch. Statt Machtpolitik brauche es den Dialog mit allen autonomiefreundlichen politischen Kräften.