<b>von Janos I. Szirtes</b><BR /><BR />Seltsames geht in manch einem Autokraten-Staat vor sich. In Weißrussland/Belarus, dessen unter umstrittenen Umständen gewählter, von der Mehrzahl der Staaten nicht anerkannter Präsident, hat zu Weihnachten die Abbildung des Weihnachtsmannes verboten. <BR /><BR />Stattdessen dürfen die Bürger sich zum russischen Pendant, dem Ded Moroz, dem Onkel Frost, bekennen. Dazu gibt es viele vorgegebene Vorschläge, darunter auch eine Partisan-Variante mit Pistole. Auch die ausländischen Weihnachtslieder haben es dem Autokraten-Staat angetan. Sie sind verboten, stattdessen dürfen die russischen Varianten gesungen werden. <h3> Weihnachtsmann bringt Raketen nach Russland</h3>Im russischen Staatsfernsehen wurde eine Animation mit einem westlichen, Raketen bringenden Weihnachtsmann, von Rentieren im Himmel gezogen gezeigt, den die siegreiche russische Armee abgeschossen hatte. Morbid. Wer dagegen protestieren wollte, soll bedenken, dass eine „unangemeldete“ Demonstration nach einem Dezemberdekret des Staatspräsidenten und Alleinherrschers Wladimir Putin verboten ist, weil es sich um einen von Ausland gelenkte und gegen den Bestand des russischen Staates gerichtete und damit terroristische Erscheinung handelt. <BR /><BR />Anmeldungen oder Anfragen werden von der Polizei jedenfalls stets abgelehnt, außer es handelt sich um regierungstreue Gruppen oder Organisationen. Die Konsequenz der Zuwiderhandlung trifft laut Dekret auch auf jede Kritik am Staat und seinen Würdenträgern zu. Sie muss nicht einmal öffentlich erfolgen. <h3> Unterdrückung nimmt zu</h3>Dies alles ist Russophobie, was zum ersten Male offiziell zur Staatsdoktrin erhoben wurde. Jeder, der gegen die herrschende Politik Stellung nimmt, fällt darunter, weil – sonnenklar – er ein Terrorist ist. Er muss nicht einmal volljährig sein, auch der 13 Jahre alte Sohn des Stalin-Ministers Anastas Mikojan (1895–1978), Stephan Mikojan, wurde wegen Kreml-feindlichen Spiels von Stalin selbst verbannt. Die Kontinuität ist also gesichert.<BR /><BR />Der Grad der Unterdrückung, des Handels-, ja sogar der Gedankenkontrolle nimmt zu. All dies wird als russische Eigenart betrachtet und propagiert: vom Kreißsaal bis zum Begräbnis, kräftig, schrill, unwidersprochen, bis sich dies die Untertanen als selbstverständlich, als ihre eigene Meinung aneignen und anerkennen. <BR /><BR /> Eine absolute Minderheit tut dies nicht und endet in Straflagern, oder wird ins Ausland in die Rolle eines unbedeutenden Kritikers gedrängt und ist selbst dort nicht vor den Schergen des Regimes sicher. Oder sie können auch Opfer der „russischen Seuche“ werden, sprich: aus dem Fenster fallen. Wenn dies alles nicht genug sein sollte, dann werden sie eben ermordet. Was daran schützende Eigenart der Russen sein soll, weiß selbst die als Mittelpunkt der russischen Eigenart betrachtete orthodoxe Kirche mit dem KGB-Agenten an der Spitze nicht. <BR /><BR />Die Autokratie zieht die Daumenpresse überall an und behauptet, die freieste Gesellschaft zu haben. Frei – für den Führer. Unfrei – für die Bevölkerung.<BR /><BR />Alle Diktaturen und Autokratien enden in Aufständen und Revolutionen – Eigenart hin oder her.