Während die Parteien zwischen Hoffen und Bangen dem großen Showdown entgegenfiebern, manche Bürger noch einmal Angebote und Möglichkeiten abwägen und erste Ergebnisse von Meinungsumfragen ihren Weg an die Öffentlichkeit finden, treten auch die Wahlbehörden bereits am Tag vor der eigentlichen Stimmabgabe still und leise ihren Dienst an. <BR /><BR />Damit nämlich alles möglichst reibungslos klappt, müssen nicht nur vielerorts in Klassenräumen, Turnhallen oder Vereinshäusern die Wahllokale sprichwörtlich aus dem Boden gestampft, sondern auch jede Menge anderer Dinge vorbereitet werden. Und spätestens dann wird klar, dass es vor allem 2 Elemente sind, die die Wahlhelfer durch die oftmals intensive Arbeitszeit geleiten werden: ein waches Auge für Zahlen und Nummern sowie ihre Unterschrift.<BR /><BR /><b>Kein Stimmzettel wird als solcher geboren<BR /></b><BR />Samstag 16 Uhr: In den als Wahlsektion ausgewiesenen Räumlichkeiten beginnen die Vorbereitungen für den großen Tag. Plakate und Hinweisschilder werden angebracht, Kabinen beschriftet und Urnen aufgestellt, bevor dann endlich jene Papiere hervorgeholt werden, die wirklich zählen: die Wahlzettel. Gelb für den Senat, rosa für die Kammer, fein säuberlich geordnet. Doch wer glaubt, es würde reichen, sie einfach nur zu stapeln und griffbereit zu halten, der wird innerhalb von Sekunden eines Besseren belehrt: Ein farbiges Stück Papier wird erst zum Wahlzettel, wenn es auch beglaubigt ist. Also: Auf die Stifte, fertig, los!<BR /><BR />Spätestens ab diesem Zeitpunkt beginnt für die Wahlbehörden eine Art bürokratischer Marathon am Fließband. Denn neben dem offiziellen Stempel muss auf jedem einzelnen Zettel die Unterschrift eines Stimmzählers landen – oder wenigstens die Kurzform davon. Und wenn man bedenkt, dass in den größten Sektionen des Landes theoretisch mehr als 1000 Menschen zur Stimmabgabe erscheinen dürften, heißt das bei einer Parlamentswahl wie der eben geschlagenen im Klartext über 2000 Signaturen. Dass sämtliche Protokolle über die behördliche Tätigkeit ebenfalls auf jeder Seite von jedem Anwesenden unterschrieben werden müssen, gleicht angesichts dessen fast schon einer kleinen Fleißaufgabe. Die Hand weiß ja mittlerweile, was sie zu tun hat. <BR /><BR />Und doch wird erst mal aufgeatmet, sobald nach einigen Stunden alles für die Wahl bereitsteht. Ein letzter Kontrollgang der anwesenden Ordnungskräfte und die Versiegelung der Fenster, Türen und Urnen (als Siegel fungieren übrigens ein Stück Klebeband und – wie könnte es anders sein – ein paar Unterschriften) schließen die vorbereitenden Amtshandlungen ab. Nach Hause und ausruhen steht nun an der Tagesordnung. Der wirklich anstrengende Teil kommt schließlich noch. <BR /><BR /><b>Nach dem Urnengang ist vor der Auszählung <BR /></b><BR />Sonntag kurz vor 7 Uhr: Schon bevor das Wahllokal seine Tore öffnet, stehen die ersten Bürger zur Stimmabgabe bereit. Nun muss es schnell gehen. In Windeseile rücken die Wahlhelfer ihr Büro zurecht, sodass der Startschuss fallen kann. Jener für einen Tag, an dem es nur eine Devise gibt: Volle Konzentration. Selbst wer mit Zahlen sonst nicht viel am Hut hat, wird als Stimmzähler nämlich zum Ziffernakrobaten. Bei jedem einzelnen Wähler müssen nicht weniger als 4 verschiedene Nummern notiert und in unterschiedliche Tabellen übertragen werden – möglichst ohne Fehler, versteht sich! Zum Abschluss noch 2 Stempel im Wahlausweis und, genau, ein paar Unterschriften. Der oder die Nächste bitte!<BR /><BR />Dass bei diesem ganzen Prozedere der Stift auch schon mal 2 Stunden lang nicht abgesetzt wird, ist keine Seltenheit. Doch irgendwann ist selbst die längste und anstrengendste Wahl vorbei. Die letzten Wähler verabschieden sich, die Türen werden geschlossen und übrig bleiben die Wahlhelfer, die sich mit einem großen Schluck Kaffee für den eigentlichen Showdown bereit machen: Die Auszählung beginnt. Es wird gerechnet und kalkuliert, mitunter manchmal gehofft und gebangt, dass alles auch wirklich seine Richtigkeit hat – und erst wenn der letzte Umschlag versiegelt ist und das gesamte Wahlmaterial dem zuständigen Gemeindebeamten übergeben wird, hört man den Stein der Anspannung förmlich fallen. <BR /><BR />Nun wird das Zepter an die Politik zurückgegeben. Die Wähler haben gesprochen und auch die Wahlbehörde darf ihr verantwortungsvolles Amt niederlegen. Draußen dämmert es schon bald. In der Sektion aber gehen die Lichter aus. Schluss mit Zahlen und Unterschriften – bis zum nächsten Urnengang. <BR /><BR /><BR /><BR />