Vize Marco Galateo findet die Teilnahme von „Chef“ Kompatscher unangebracht. Rückendeckung für Arno Kompatscher kommt von SVP-Chef Dieter Steger: „Der Begriff Remigration ist geradezu unappetitlich. Eine dem christlichen Weltbild verpflichtete Partei wird das immer verurteilen.“ Die Süd-Tiroler Freiheit empfiehlt Casa Pound, mit der Remigration „bei sich selbst anzufangen.“<BR /><BR />„Remigration und Zurückeroberung“ nennt sich ein von rechtsnationalen Bewegungen wie Casa Pound unterstützter Gesetzesentwurf, der in weniger als 24 Stunden die 50.000 nötigen Unterschriften erreichte, um im Parlament behandelt zu werden – und für den am Samstag 1.000 faschistische Unterstützer in Bozen erwartet werden. Parallel läuft eine Gegendemo antifaschistischer Kräfte, an der seitens der SVP der Landeshauptmann, Julia Unterberger und Vertreter der Sozialen Mitte teilnehmen.<h3> Landeshauptmann erhält Kritik von seinem Vize</h3>„Unangebracht“ nennt dies Marco Galateo. „Ich teile den Gesetzesentwurf nicht. Fratelli d’Italia hat nichts damit zu tun und ich gehe am Samstag auch nicht hin“, so Galateo. Aber die vom Landeshauptmann benutzte Gleichstellung von Remigration mit Deportation sei beleidigend für den Holocaust. „Viele Straftaten werden von Ausländern begangen. Menschen wollen Sicherheit. Nicht jeder wohnt in den schönsten Zonen von Rom und Meran wie Unterberger.“<BR /><BR />Galateo scheint den Gesetzesentwurf nicht gelesen zu haben, kontert Unterberger. „Jeder ist für Sicherheit und wir waren die Ersten, die das harte Durchgreifen von Quästor Sartori begrüßt haben.“ Vielmehr ziehe sich durch den Gesetzesentwurf ein rassistischer Faden. Ziel der Remigration sei die Ausweisung aller Ausländer, auch jener mit Aufenthaltserlaubnis oder erworbener Staatsbürgerschaft. <BR /><BR />Gleichzeitig sollen Nachfahren italienischer Staatsbürger zur Rückkehr angehalten und die Geburtenrate der Italiener mit einem Bonus von 3.000 Euro angekurbelt werden: „Aber nur, wenn beide Elternteile Italiener sind.“ Zudem sollen laut Gesetzesentwurf alle Quoten für Zuwanderung von Saisonskräften gestrichen werden, auf die die Wirtschaft stets hart warte.<h3> Kompatscher und Galateo sprechen sich aus</h3> Landeshauptmann Kompatscher hatte gestern eine Aussprache mit Galateo. „Meine Position ist klar, im Einklang mit der Verfassung und dem Regierungsprogramm. Ich habe Galateo aufgefordert, seine zu überdenken, wobei ich zur Kenntnis nehme, dass er sich vom Gesetzesentwurf distanziert“, so Kompatscher. Deportation sei die Verfrachtung von Menschen unter Missachtung des Völkerrechts und genau darauf ziele Remigration ab. Die Abschiebung straffälliger Ausländer sei längst schon Gesetz.<BR /><BR />Rückendeckung kommt von SVP-Chef Steger. „Der Begriff Remigration ist geradezu unappetitlich besetzt. Eine Partei, die wie die SVP dem christlichen Weltbild verpflichtet ist, wird das immer verurteilen.“ Somit sei es richtig, dass Kompatscher an der Demonstration teilnehme. „Auch weil ich sicher bin, dass er sich nicht von der anderen extremen Position vereinnahmen lässt, die da heißt, jeder kann kommen.“<BR /><BR />Die Süd-Tiroler Freiheit verurteilt die Demo für Remigration: „Veranstalter wie Casa Pound missbrauchen berechtigte Anliegen für ihre Ideologie.“ Die STF spricht von befremdlichem Geschichtsverständnis und fordert die Organisatoren polemisch auf, „bei sich selbst mit der Remigration zu beginnen“.