Montag, 14. September 2020

Antibiotika sind falsche Therapie

„Chronisch abakterielle Prostatitis“ (CBSS) kann viele Ursachen haben und sollte stets urologisch abgeklärt werden.

„Chronisch abakterielle Prostatitis“ (CBSS) kann viele Ursachen haben und sollte   stets urologisch abgeklärt werden.
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„Chronisch abakterielle Prostatitis“ (CBSS) kann viele Ursachen haben und sollte stets urologisch abgeklärt werden. - Foto: © shutterstock
Bereits der Schmerz ist etwas, über das man(n) nicht gerne spricht. Zumal das betroffene Organ – nämlich die Prostata – im Sexualleben des Mannes eine wichtige Rolle spielt, sich aber die wenigsten dessen bewusst sind. Denn diese kastaniengroße Drüse zwischen Blase, Schambein, Penis und Rektum produziert ein Sekret, das bei der Ejakulation in die Harnröhre geht. Dort vermischt sich dieses Sekret (zu 30 Prozent) mit den Spermien und fungiert gewissermaßen als „Trägersubstanz“, macht somit die Samenflüssigkeit befruchtungsfähig.

Selbst wenn Bewusstsein, Vorsorge und Therapie in puncto Prostata-Krebs heute stark verbessert sind, werden andere Prostata-Erkrankungen allzu gerne übersehen. Auch weil die damit einhergehenden Symptome häufig der älteren Männer-Generation zugeschrieben werden.

Schmerzhaftes Ziehen

Die klinischen Fallbeispiele einer typischen „Prostatitis“ (CBSS – chronisches Beckenschmerzsyndrom) jedenfalls zeigen, dass obige Symptome vorwiegend bei jungen Männern (vor allem Sportlern wie Radfahrern, Skifahrern usw.) vorkommen, die dann beim Urologen Hodenschmerzen oder Miktionsbeschwerden beklagen und nicht an eine „Prostataverkühlung“ als Ursache denken. Als mögliche Ursachen gelten genetische Erbanlagen, ein defektes Immunsystem, psychische Mechanismen oder auch mechanische Druckfaktoren. Für Letzteres sprechen etwa jene Patienten, deren Prostata – besonders häufig bei jungen Sportlern – einer bestimmten Belastung ausgesetzt ist. Radfahrer (das Sitzen im Sattel), Wintersportler (der Druck von Aufstiegshilfen), Bauern (die Vibrationen von landwirtschaftlichen Geräten) ... die Folge sind Missempfindungen im Dammbereich, die in den Hoden ausstrahlen.

Auch von Miktionsbeschwerden wie ständigem Harndrang, „Brennen“ beim Urinieren und Ejakulationsstörungen berichten Betroffene. Und das, obwohl im Falle einer „chronisch abakteriellen Prostatitis“ (CBSS) bei der urologischen Visite weder die Prostata selbst, noch die Laborwerte des Prostatasekret auffällig sind. Das wiederum macht die Therapie – ganz im Gegensatz zur „bakteriellen Prostatitis“, die mit Antibiotika behandelt wird – so schwierig. Denn zwar scheinen Entzündungshemmer den unangenehmen Schmerz zu lindern, doch als wirkliche Abhilfe ist vor allem eine Wärmetherapie in Form von warmen Sitzbädern (in der Badewanne) meist sehr erfolgreich, sodass die Symptome nach einer Woche fast immer verschwunden sind. Auch mit Phytopharmaka, Stoßwellen, Elektroakupunktur oder Nervenstimulation wurden bereits Behandlungserfolge erzielt. Ebenso wie mit einer Verhaltenstherapie bzw. Psychoanalyse: Denn ein gesundes Sexualleben ist auch in diesem Fall häufig vor allem reine Kopfsache.





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