Montag, 08. Juni 2020

Inkontinenz – über Risiko nicht informiert

Eine Frau hatte ein leichtes Inkontinenzproblem und wollte dies beheben lassen. Es sollte eigentlich ein einfacher Eingriff erfolgen, jedoch die Beschwerden der Patientin verschlechterten sich dermaßen, dass auch noch zwei weitere Folgeeingriffe nötig waren.

Inkontinenz – über Risiko nicht informiert.
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Inkontinenz – über Risiko nicht informiert. - Foto: © shutterstock
Die Frau zog vor das Landesgericht Bozen, wo dieses nun den Südtiroler Sanitätsbetrieb zur Zahlung eines Schadenersatzbetrages in der Höhe von Euro 92.000,00 zzgl. der Verfahrenskosten verurteilt hat.
Begründet wurde das Urteil dahingehend, dass nach Auffassung des Gerichts die Patientin nicht umfassend über alle möglichen Risiken des Eingriffes informiert worden ist.

Vorerst hatte sich die Frau in einem Südtiroler Spital einer urologischen Visite unterzogen und der Facharzt habe ihr zu einem Eingriff geraten, dem sie sich dann auch unterzog.
Doch in der Folge hatte sich das Inkontinenzproblem verschärft, so dass sie auch an starken Schmerzen litt.
Es wurde dann ein zweiter Eingriff durchgeführt, nachdem es der Patientin aber noch schlechter ging.

Eine dritte Operation folgte in München, wo zwar die entstandene Infektion abgeheilt wurde, jedoch hatte die Patientin leider inzwischen eine chronische Inkontinenz, was ihr familiäres - und gesellschaftliches Leben massiv einschränkte.
In der Klageschrift führte sie an, dass sie zwar schon über die verschiedenen Risiken schriftlich informiert worden ist, nicht aber über mögliche starke Schmerzen und Inkontinenz bzw. wie sehr sich ihr Zustand eventuell verschlechtern könnte.
Die Klägerin trug vor, dass wenn sie gewusst hätte, welche Risiken mit dem Eingriff verbunden gewesen wären, so hätte sie den Eingriff nie und nimmer durchführen lassen.

In dem vor dem Landesgericht behängenden Verfahren wurde ein Rechtsmediziner mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt, welcher zur Auffassung gekommen war, dass der Eingriff zwar fachgerecht durchgeführt worden ist und ein Kunstfehler nicht vorliegen würde.
Nach Auffassung des Amtssachverständigen bzw. des Gerichts wurde die Patientin aber über das Risiko nicht ausreichend informiert, obwohl sie eine schriftliche Einwilligungserklärung zu der Operation unterzeichnet hatte.
Aus diesem Grunde wurde der Südtiroler Sanitätsbetrieb zum Schadenersatz verurteilt.


RA Dr. Markus Wenter

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