„So etwas wird es nie wieder geben!“ Als der US-Riese John Isner am Mittwochabend kurz nach 21.00 Uhr Ortszeit vom zertrampelten Rasen des Platz 18 in Wimbledon wankte, hatten er und sein französischer Gegner Nicolas Mahut längst alle bestehenden Rekorde im Profitennis zerschmettert. Insgesamt zehn Stunden Spieldauer und erneuter Abbruch bei 59:59 im fünften Satz eines Matches, das am Dienstag begonnen hatte, das sagte alles.Und dennoch wusste man frühestens Donnerstag, welche Marken endgültig in die Tennis-Geschichtsbücher eingehen werden. Isner und Mahut hatten bis dahin in der wohl irrsten Tennispartie aller Zeiten alle bestehenden Rekorde in diesem Sport gebrochen. Selbst die Anzeigentafel hatte angesichts des Marathons den Geist aufgegeben und war bei 47:47 kurzfristig stehen geblieben. Ein Papierausdruck belegte später, dass Isner bis zum Abbruch 98 Asse gelungen waren.Es war nur eine der Rekordmarken in dieser epischen Partie, die auf dem nur 782 Zuschauer fassenden Außenplatz am Dienstag begonnen hatte, am Mittwoch bei 2:2 in Sätzen fortgesetzt wurde und nach weiteren 7:06 Stunden und insgesamt 163 gespielten Games erneut abgebrochen werden musste.„Muss den niemand auf’s Klo?“, fragte etwa US-Profi Andy Roddick, der wie sein Schweizer Kollege Roger Federer („Unfassbar! Ich liebe es, so etwas zu sehen“) nach verrichteter Arbeit ungläubig beobachtete, was zwischen Isner und Mahut geschah. Alleine der fünfte Satz hatte länger gedauert als das bisher längste Tennismatch der Geschichte zwischen den beiden Franzosen Fabrice Santoro und Arnaud Clement, das 2004 in Paris nach 6:33 Stunden beendet gewesen war. Horst Skoffs Daviscup-Marathon gegen Mats Wilander hatte 1989 - ebenfalls auf Sand - 6:04 Stunden gedauert.Angesichts des sporthistorischen Ereignisses avancierte am Mittwoch in Wimbledon das Aus des an sieben gesetzten Russen Nikolai Dawidenko zur Nebensache und auch am Donnerstag waren Isner und Mahut die Schlagzeilen sicher. Vor allem Isner hatte es mehrmals am Schläger gehabt, das Match zu beenden. Bei 10:9, 33:32 und 59:58 hatte er jeweils Matchbälle, den vierten wehrte Mahut dann mit seinem 95. As ab.Während die Fans selbst da noch „wir wollen mehr“ skandierten, hatte der Referee auf Bitte von Mahut ein Einsehen und brach die Partie endlich und erneut ab. Stehende Ovationen war den beiden völlig erschöpften Spielern sicher. „Jeder hat nur noch auf das Ende gewartet und jetzt müssen sie alle wiederkommen“, erklärte Mahut nach dem Abbruch. „Auch wir zwei kommen wieder, irgendeiner muss dieses Ding ja auch gewinnen.“ apa/reuters