„Wir haben Glück gehabt, denn unser Siegtor war klar abseits“, sagte Bayern-Trainer Louis van Gaal nach dem 2:1 (1:0) des deutschen Fußball-Rekordmeisters im Achtelfinal-Hinspiel am Mittwochabend gegen Fiorentina. Die Wut der Italiener war nach der krassen Fehlentscheidung des norwegischen Schiedsrichters Tom Henning Ovrebo, der den Treffer von Miroslav Klose in der 89. Minute trotz deutlicher Abseitsstellung gab, verständlich. Am Donnerstag ging ein Aufschrei der Entrüstung durch die italienischen Zeitungen. „Was für ein Diebstahl in München“, titelte die Sportzeitung „La Gazzetta dello Sport“, die „Tuttosport“ beschäftigte sich ausgiebig mit dem „skandalösen“ 2:1. „So beklaut zu werden, ist frustierend“, schimpfte Fiorentina-Kapitän Riccardo Montolivo.„Eine Schande. Auch Platini hat mir auf der Tribüne gesagt, dass Klose eineinhalb Meter im Abseits stand“, sagte Fiorentina-Vorstand Andrea Della Valle in der "Gazzetta". Sein Bruder und Club-Besitzer Diego Della Valle war außer sich vor Wut: „Wenn ich mit dem Linienrichter verwandt wäre, würde ich ihn zum Augenarzt schicken“."Tor ist Tor"Torschütze Klose hatte eine Minute vor Schluss nach Ivica Olics Kopfballvorlage „das Gefühl, im Abseits“ gestanden zu haben. Trotzdem meinte der Stürmer am Donnerstag: „Tor ist Tor. Ich habe auch schon Tore geschossen, wo ich nicht im Abseits stand und es wurde gewunken. Das gleicht sich am Schluss aus.“ Dass ein Abseitstor die Bayern vor dem drohenden Aus bereits im Achtelfinale bewahrt hatte, war den Münchnern nach einer enttäuschenden Leistung aber egal. Bayerns Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge ist „zufrieden und optimistisch, dass wir das Viertelfinale erreichen können.“ Trotz des Gegentors durch Per Kroldrup (50. Minute), der Bayerns Führung durch Arjen Robben (45./Foulelfmeter) ausglich, sprach auch Bastian Schweinsteiger von einer „ordentlichen Ausgangsposition, denn auswärts sind wir immer für ein Tor gut“.Bereits 13 Pflichtspiel-Siege in Serie haben die Bayern erzielt, aber im Rückspiel am 9. März müssen sie sich erheblich steigern, um eine Runde weiterzukommen. „Wir haben nicht gut gespielt, außer in den letzten fünf Minuten“, sagte Kapitän Mark van Bommel. Fehlpässe en masse, viele Ballverluste und Nachlässigkeiten in der Abwehr prägten das Spiel der zuletzt in der Bundesliga dominanten Münchner, die auch nach dem Platzverweis von Massimo Gobbi (73.) keinen spielerischen Glanz ausstrahlten und nie zu einem geordneten und ruhigen Spiel fanden.„Florenz hat taktisch sehr gut gespielt, und wir haben keine Lösung gefunden. Sie haben keine Chance kreiert und doch ein Tor geschossen, das ist sehr enttäuschend“, meinte van Gaal, der die Chancen aufs Weiterkommen auf „mindestens fünfzig Prozent“ einschätzt, „denn wir haben gewonnen und ein Tor mehr. Aber es wird auswärts immer schwierig. Florenz ist sehr heimstark“. Fiorentina reicht 1:0Fiorentina- Trainer Cesare Prandelli glaubt trotz der unglücklichen Niederlage an seine Mannschaft: „Die Rote Karte war ungerechtfertigt und das Abseitstor unglaublich. Aber egal, das müssen wir so hinnehmen: Es ist schön, dass wir weiter vom Viertelfinale träumen dürfen“. Denn dank der Auswärtstor-Regel reicht den "Viola" im Rückspiel schon ein 1:0-Sieg.dpa