Samstag, 12. September 2015

Als elf Insulaner zu Helden wurden

Der Sieg der österreichischen gegen die deutsche Nationalelf in Cordoba ziert heute noch das Portfolio eines jeden Fußballverrückten in der Alpenrepublik. Dabei waren die Leistungen unserer Nachbarn bei weitem nicht immer glorreich, ja sogar peinlich: Heute, am 12. September, vor genau 25 Jahren verlor die österreichische Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation 1:0 gegen die Mannen von den winzigen Färöer Inseln.

Vor 25 Jahren blamierten elf Amateurkicker von den Färöer-Inseln die österreichische Nationalmannschaft bis auf die Knochen.
Vor 25 Jahren blamierten elf Amateurkicker von den Färöer-Inseln die österreichische Nationalmannschaft bis auf die Knochen.

Österreichs Fußballnationalteam gehört inzwischen zu den Besten der Welt: Die Quali für die EM in Frankreich vorzeitig geschafft, Platz 13 in der Fifa-Weltrangliste – die große Fußballnation Italien liegt auf Platz 16 - und es soll weiter nach oben gehen.

Kaum zu glauben also was vor nicht allzu langer Zeit, am 12. September 1990, im Stadion im schwedischen Landskrona geschehen ist.

Hochmut kommt vor dem Fall

Vor der Partie war man sich des Sieges im Grunde sicher. Der Wiener Stürmer Toni Polster etwa – der damals noch sportlich und nicht durch Auftritte auf Promi-Partys glänzte –  mutmaßte vor dem Anpfiff, dass man wohl 10:0 gewinnen werde.

Auch auf färinger Seite sah man dem Spiel nicht wirklich optimistisch entgegen. „Eine 5:0 Niederlage wäre ein blendendes Ergebnis“, sagte Torhüter Jens Martin Knudsen vor dem Spiel.

So schreiben elf Männer Fußballgeschichte

Was dann aber passierte, ist ein Stück Fußballgeschichte: Torlos ging die erste Halbzeit zu Ende, allein das galt als kleine Sensation. Die Verteidigung der Mannschaft von den Färöer-Inseln stand gut, kein Durchkommen für die Stürmer von Trainer Josef „Pepi“ Hickersberger. Zudem hielt Torhüter Knudsen überragend.

In der zweiten Halbzeit machte sich dann der damals 26-jährige Stürmer Torkil Nielsen unsterblich. In der 62. Minute umrundete er drei österreichischen Verteidiger und schob den Ball flach zum 1:0 Endergebnis ins Tor.

Helden auf Lebzeiten

Das „Wunder von Landskrona“ war geschafft, Österreich bis auf die Knochen blamiert und die Färinger von Nationalspielern zu Nationalhelden geworden. 20.000 Insulaner, also gut die Hälfte der Bevölkerung, erwartete die Fußballer bei ihrer Ankunft aus Landskrona.

Besonders der Torhüter Jens Martin Knudsen – bekannt für seine weiße Wollmütze – und Torschütze Torkil Nielsen werden auf den Inseln noch heute verehrt.

Auf österreichischer Seite hatte die Niederlage den Rücktritt von Trainer Hickersberger zur Folge. Nur einen Tag nach dem Spiel legte er sein Amt nieder.

stol/bfk

stol