Dienstag, 24. Oktober 2017

Anne-Frank-Sticker: Schweigeminute, Lesung und Auschwitz-Besuch

Als Reaktion auf anti-semitische Aufkleber, die Lazio-Fans am Sonntag im Olympiastadion von Rom hinterlassen haben, wird es in allen Fußball-Ligen Italiens bei den nächsten Spielen eine Schweigeminute mit der Lesung einer Passage aus dem Tagebuch von Anne Frank geben. Das teilte der Italienische Fußball-Verband am Dienstag mit.

Anne Frank
Anne Frank - Foto: © shutterstock

Mit der Schweigeminute solle die jüngste Episode von Anti-Semitismus verurteilt und weiter an den Holocaust erinnert werden, hieß es in einer Stellungnahme des Verbandes. Das Tagebuch der in einem Konzentrationslager der Nazis umgebrachten, 15-jährigen Jüdin Anne Frank ist eines der wichtigsten Werke der Holocaust-Literatur.

Besuch in Auschwitz

Außerdem will Lazio Rom als Reaktion auf die antisemitischen Parolen jährlich 200 seiner Fans das ehemalige Konzentrationslager in Auschwitz besuchen lassen. Das gab der Club am Dienstag bekannt.

Vereinschef Claudio Lotito legte in einer Synagoge in Rom zudem einen Blumenkranz für die Opfer des Holocaust nieder.

In der jüdischen Gemeinde von Rom wurde die Idee der regelmäßigen Auschwitz-Besuche begrüßt. Grundsätzlich bestehe aber „Handlungsbedarf für konkrete Initiativen in der Welt des Fußballs und des Sports“. Die umstrittene Lazio-Fangruppe „Irriducibili“ („die Unbeugsamen“) distanzierte sich nicht von den antisemitischen Stickern, sondern teilte mit, dass sie über die Aufregung „überrascht“ sei.

„Unglaublich“ und „nicht akzeptabel“

Die im Olympiastadion aufgefundenen Aufkleber zeigen Anne Frank im Trikot von AS Roma. Außerdem wurden von Lazio-Fans anti-semitische Slogans hinterlassen. Die Anhänger des Clubs waren auch schon in der Vergangenheit öfters mit rassistischen Parolen negativ ausgefallen.

Italiens Spitzenpolitik verurteilte die Vorfälle aufs Schärfste. Premierminister Paolo Gentiloni betonte, dass die „unglaubliche“ und „nicht akzeptable“ Tat nicht „kleingeredet“ werden dürfe. Staatspräsident Sergio Mattarella ergänzte mit dem Hinweis auf Anne Frank: „Ihr Bild als Beleidigung und Drohung zu verwenden (...) ist erschreckend für unser Land, das vor 80 Jahren unter der Grausamkeit des Antisemitismus litt.“

apa/reuters

stol