Besonnen analysierte Jupp Heynckes die „absolut verdiente“ 2:3-Pleite seiner Leverkusener beim Bundesliga-Kellerkind 1. FC Nürnberg. Kopfschüttelnd und mit gesenkten Häuptern hatten sich Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser schon direkt nach Schlusspfiff auf den schmerzhaften Weg zurück in die Katakomben gemacht, als die bis dato weiße Bayer-Weste gerade einen dicken Schmutzflecken bekommen hatte.Ausgerechnet beim wenig heimstarken „Club“ kassierte der haushohe Favorit im 25. Saisonspiel seine erste Niederlage und verlor kostbaren Boden auf Spitzenreiter Bayern München. „Die Leichtigkeit ist nicht mehr da. Die Niederlage ist ein Rückschlag für uns“, sagte Jung-Nationalspieler Toni Kroos. Innerhalb von nur 14 Tagen ist der ehemalige Tabellenführer bis auf Rang 3 im Bundesliga-Klassement abgerutscht. „Wir haben vieles vermissen lassen. Wenn man so spielt, kann man nicht erfolgreich sein“, gestand Heynckes nach dem lange lethargischen Auftritt ein. „Aber vielleicht war es ein Dämpfer zum richtigen Zeitpunkt“, meinte Stürmer Stefan Kießling.Ein Doppelpack des starken Eric Maxim Choupo-Moting (42./45.+1) und der Treffer von Mickael Tavares (55.) brachten den „Club“ früh auf die Siegerstraße, der mit seiner überraschend forschen Ausrichtung reichlich Verwirrung stiftete. „Ich hätte sie nicht so offensiv erwartet“, bekannte der frühere Nürnberger Kießling, der Bayer mit seinem 14. Saisontreffer in der 66. Minute nochmal herangebracht hatte. Erst danach wachten die schläfrigen Rheinländer auf, machten Druck und kamen durch Patrick Helmes (73.) nach einem Fehler in der Nürnberger Defensive noch zum Anschlusstreffer. Zu mehr aber reichte es nicht.„Wir hatten in der Schlussphase zum ersten Mal in dieser Saison etwas zu verlieren. Aber wir haben Leverkusens Angriffe gemeinsam überstanden“, sagte Nürnbergs Trainer Dieter Hecking über den ersten Heimsieg seiner Elf seit viereinhalb Monaten. Dass „die hier erstmal gewinnen müssen“, hatte der Coach schon vorab in der Mannschaftssitzung betont. Hecking imponierte die Entschlossenheit, mit der seine Schützlinge vorne agierten. „Wir haben nicht nur gekämpft, sondern auch Fußball gespielt“, sagte der Coach.„Es ist erfreulich, dass wir uns gegen eine Spitzenmannschaft so viele Chancen erspielt haben“, meinte Nürnbergs Kapitän Andreas Wolf. Und obwohl die Franken von Beginn an auf ihren mit Abstand besten Schützen Albert Bunjaku (Gelb-Rot-Sperre) und später auch auf den kopfballstarken Breno verzichten mussten, zeigten sie sich vor dem Tor wesentlich effektiver als sonst. Entscheidenden Anteil daran hatte Choupo-Moting: Die 20 Jahre alte Leihgabe vom Hamburger SV müsse „schon tief in die Wunderkiste greifen, um eine Leistung wie diese zu toppen“, bekannte Hecking.Bayern-Leihgabe Breno wird dem „Club“ in dieser Saison aber nicht mehr helfen können. Der Innenverteidiger zog sich den befürchteten Kreuzbandriss zu. „Er wird leider fünf Monate ausfallen“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Montag vor dem Abflug des FC Bayern München zur Partie in der Champions League bei Fiorentina. dpa