Diesmal befasst sich Irina Lino mit den wahren Verlierern des EM-Finales im Londoner Wembley-Stadion. <BR /><BR /><BR />Wir schreiben den 26. Juni 1996: Im kochenden Wembley-Stadion ist es so still, dass man eine Stecknadel fallen hört. Für das Halbfinale der Heim-EM setzt ein junger Spieler der „Three Lions“ zum neunten von zehn Elfmetern gegen Deutschland an und... scheitert an Andreas Köpke. <BR /><BR />Der Unglücksschütze, der England aus dem Turnier kickt, heißt Gareth Southgate, und er ist 25. 25 Jahre später wiederholt sich Englands Elfer-Fluch am selben Schauplatz. Nur diesmal für das EM-Finale und mit Southgate als Nationaltrainer. <BR /><BR />Nach dem Triumph Italiens ist er erneut der große Sündenbock, und mich würde ja wirklich brennend interessieren, warum ein Mann, der sein persönliches Elfmeter-Trauma nie verwunden hat und besser als jeder andere weiß, WIE unerträglich der Druck bei dieser Nervenschlacht ist, ausgerechnet drei Frischlinge in den Endkampf schickt. 21 ist Jadon Sancho, 23 Marcus Rashford, und Bukayo Saka, der als letzter Antritt, gerade einmal 19. Alle drei versagen, alle drei sind schwarz. <BR /><BR />Was sich danach abspielt, ist ein so beschämendes Nachspiel, dass man nur noch schreien könnte: Da wird das glücklose Elfertrio in den sozialen Netzwerken als „dreckige Neger“ beschimpft, ja, Sie lesen leider richtig, und es wird so unverhohlen zur Lynchjustiz aufgerufen, dass Bürgerrechtsorganisationen schwarzen Briten dringend raten, das Haus nicht zu verlassen. <BR /><BR />Eine verbale (bis handfeste) rassistische Gewaltorgie. Und wofür? Für ein SPIEL, das auf dem Schlachtfeld der Gefühle zum Krieg wird. WAS für schlechte Verlierer! WAS für ein Armutszeugnis im Zeichen des Sports! Englands Löwen haben zwar die EM verloren, aber nicht ihr Gesicht. Die wahren Verlierer... Das sind jene Menschen, die unter dem Deckmäntelchen der Anonymität ihren ganzen, aufgestauten Frust auskotzen, weil sie im Spiel des Lebens jeden Elfer verschießen... Und sei er noch so aufgelegt.