Sonntag, 10. Juli 2016

Brite Murray feiert zweiten Wimbledon-Titel

Andy Murray weinte vor Glück, innig umarmte er den Wimbledon-Pokal. Zum zweiten Mal ist der 29-Jährige König seines Heim-Grand-Slams. Vor dem mitfiebernden Prinz William und dessen Frau Kate feierte der Schotte am Sonntag einen souveränen Endspiel-Erfolg. Mit 6:4, 7:6 (7:3), 7:6 (7:2) setzte sich Murray gegen den Final-Debütanten Milos Raonic durch und sicherte sich seinen dritten Titel bei einem der vier wichtigsten Turniere. Allesamt gewann er mit dem Ex-Star Ivan Lendl als Trainer, zu dem er erst vor rund einem Monat wieder zurückgefunden hatte.

Foto: © APA/AFP

„Das ist das wichtigste Turnier für mich in jedem Jahr“, sagte der Sieger. „Ich hatte große Momente und bittere Niederlagen hier. Deswegen ist es sehr besonders, diese Trophäe wieder in den Händen zu halten. Ich werde diesen Sieg wirklich genießen.“ Selbst der sonst oft mürrisch wirkende Lendl wirkte auf der Tribüne gerührt, Murray zauberte mit seinem Auftritt ein Lächeln in sein Gesicht.

"Ein großartiges Match zum Zuschauen"

Vor drei Jahren hatte der Schotte das Wimbledon-Publikum schon einmal in einen Freudentaumel versetzt, als sein Erfolg historische Bedeutung hatte. Als erster Brite seit Fred Perry 1936 entschied er 2013 das bedeutendste Tennisturnier der Welt für sich. Auch diesmal erhoben sich die Zuschauer, unter ihnen Premierminister David Cameron, auf dem Centre Court von ihren Sitzen, als Murray seinen zweiten Matchball verwandelte. Auf dem überfüllten Henman Hill vor der Leinwand brach Jubel aus. „Es war ein großartiges Match zum Zuschauen“, sagte Herzogin Kate anschließend zu Murray.

Das Finale hatte einen zusätzlichen Reiz dadurch bekommen, dass Raonic sich den dreimaligen Wimbledonsieger John McEnroe als Ratgeber in sein Team geholt hatte und sich somit zwei frühere Rivalen als Trainer gegenüberstanden. Mit dem Halbfinal-Erfolg über den Wimbledon-Spezialisten Roger Federer hatte Raonic als erster Kanadier bei den Herren das Endspiel eines Grand-Slam-Turniers erreicht.

Murray konzentriert und mit dem Willen zu siegen

Einen Tag nach der Finalniederlage von Angelique Kerber gegen Serena Williams präsentierte sich Murray konzentriert und mit dem Willen, sich die Chance nicht nehmen zu lassen. Die Nummer zwei der Welt nutzte es aus, dass Vorjahressieger Novak Djokovic schon Mitte des Turniers Wimbledon verlassen hatte. Am serbischen Topfavoriten war der Brite in diesem Jahr im Finale der Australian Open und der French Open gescheitert. Djokovics Trainer Boris Becker ließ es sich nicht entgehen, das Spiel aus nächster Nähe zu verfolgen.

Der 56-jährige Lendl saß in der Spielerbox, der ein Jahr ältere McEnroe ging während des bislang größten Auftritts von Raonic seiner Arbeit beim Fernsehen nach. Bei 3:3 nutzte Murray seine dritte Breakchance, als er den Kontrahenten zu einem Volley-Fehler zwang. Die Basis für den ersten Satzgewinn war gelegt.

Auch im zweiten Abschnitt ließ der Lokalmatador bei eigenem Aufschlag nichts zu. Raonic kämpfte sich zwei Tage nach seinem Fünf-Satz-Sieg über den siebenmaligen Wimbledon-Champion Federer in den Tiebreak. Dort ging dann aber Murray schnell mit 6:1 in Führung. Sein Aufschlag bescherte ihm bei der dritten Chance die 2:0-Satzführung.

Zittern im dritten Durchgang

Im dritten Durchgang geriet Murray in Probleme. Zwei Breakbälle musste der Vater einer kleinen Tochter bei 2:2 abwehren. Doch wieder ging es in den Tiebreak, wieder war der Favorit der Bessere und feierte den sechsten Sieg nacheinander gegen Raonic.

Mit Lendl als Trainer hatte Murray während des ersten Engagements 2012 die US Open sowie Olympia-Gold und 2013 in Wimbledon gewonnen. „Ich wollte mit Ivan wieder zusammenarbeiten, damit er mir hilft, diese Events zu gewinnen“, hatte Murray gesagt.

dpa

stol