Sonntag, 05. Juli 2015

Chile bejubelte nach Elferschießen ersten Copa-Triumph

Lionel Messi blickte mit versteinerter Miene zu den ausgelassen jubelnden Chilenen. 356 Tage nach dem verlorenen WM-Finale von Rio de Janeiro gegen Deutschland schlich der vierfache Weltfußballer auch im Stadion von Santiago de Chile ohne Pokal, ohne Titel vom Platz. Der Gang mit der Medaille für den zweiten Platz um den Hals vorbei an der Siegertrophäe wurde für den 28-Jährigen zur Qual.

Arturo Vidal (links), Eduardo Vargas (Mitte), and Mauricio Pinilla (rechts) bejubeln ihren Sieg.
Arturo Vidal (links), Eduardo Vargas (Mitte), and Mauricio Pinilla (rechts) bejubeln ihren Sieg. - Foto: © APA/EPA

Nicht Favorit Argentinien, sondern Copa-America-Gastgeber Chile sicherte sich am Samstag erstmals die Trophäe für den Gewinn der Südamerika-Meisterschaft. Messi, der mit dem FC Barcelona alle wichtigen Club-Titel bereits mehrmals gewonnen hat, traf zwar nach 120 torlosen Minuten vom Punkt, allerdings als einziger Argentinier.

Chile setzte sich im Elfmeterschießen souverän mit 4:1 durch.

"Albtraum II" für Argentinien

Argentinien steht damit schon wieder mit leeren Händen da. 2004 verlor die Mannschaft im Copa-Finale im Elfmeterschießen gegen Brasilien, da war Messi noch nicht dabei. 2007 unterlag Argentinien mit dem Wunderfußballer erneut Brasilien. Dann das WM-Endspiel gegen Deutschland, nun das Finale gegen Chile. „Albtraum II“ schrieb die argentinische Sportzeitung „Ole“. „Nächstes Finale, nächster Frust“, meinte „La Nacion“.

„Es ist eine Tortur, ich habe keine Erklärung dafür“, sagte Argentiniens Defensiv-Routinier Javier Mascherano.

Der letzte Titel für die A-Nationalmannschaft Argentiniens liegt nun schon 22 Jahre zurück, als 1993 zuletzt die Copa gewonnen wurde. Chile dagegen stillte seine Sehnsucht nach dem ersten großen Championat. Zu verdanken hatte es „La Roja“ vor allem auch Messis und Mascheranos Clubkameraden Claudio Bravo. Der Tormann und Kapitän feierte nach dem Triple mit dem FC Barcelona nun schon den vierten Titel innerhalb weniger Wochen.

Bravo parierte vor 48.000 Zuschauern im ausverkauften Estadio Nacional den Elfer von Ever Banega. Zuvor hatte schon Gonzalo Higuain den Ball in den Abendhimmel gejagt. Den Elfmeter zum Sieg verwandelte Ex-Barca-Profi Alexis Sanchez extrem lässig mit einem locker-leichten Schuss ins Zentrum.

Danach gab es für die Chilenen auf dem Rasen, auf den Rängen und im ganzen Land kein Halten mehr. Rote Fahnen, rote Trikots prägten überall das Bild. „Ich habe immer davon geträumt, diesen Pokal eines Tages hochzuhalten“, betonte Bravo.

apa/dpa

stol